2019
 

Gertrud Weiss-Richter. Himmelstreppe, Ausstellungsansicht MMKK Burgkapelle, 2019, Foto: Ferdinand Neumüller

21.02.2019 - 19.05.2019:

Gertrud Weiss-Richter. Himmelstreppe
Gertrud Weiss-Richter, 1942 in Linz an der Donau geboren, studierte Malerei und Grafik an der Akademie der bildenden Künste Wien. Zahlreiche Aufenthalte im Ausland, wie beispielsweise in Paris, Los Angeles und New York, prägten durch verschiedenste Einflüsse das künstlerische Schaffen der Kärntnerin. Seit 1978 lebt und arbeitet sie in Klagenfurt. Geometrie nimmt innerhalb des künstlerischen Œuvres von Gertrud Weiss-Richter eine hervorragende Stellung ein. Bereits während ihrer Studienzeit verfolgte die Künstlerin ein großes Interesse an der Architektur und setzte sich vorrangig mit geometrischen, architektonischen Formen auseinander. Ein herausragendes Themengebiet innerhalb ihres Gesamtkunstwerks bilden seit mehreren Jahren verschiedenste Aufstiegshilfen. Neben Stufen und Leitern rückt dabei insbesondere die Treppe als prägnantes Element in den Fokus ihrer Arbeit. In der Burgkapelle installiert Gertrud Weiss-Richter eine Himmelsstiege, welche durch die Burgkapelle als umgebenden Raum, den Fokus weg von der architektonischen Nutzfunktion und hin zum Symbolgehalt des Elements verschiebt. Die Grundlage der Installation bildet eine Fotografie, welche sich, herausgelöst aus ihrem ursprünglichen Kontext, zu einem eigenständigen Werk entfaltet. Durch die Positionierung im Raum und die Transparenz der Materie entwickelt sich die zweidimensionale Fläche für den Besucher zu einem erfahrbaren visuellen Phänomen. Bezugnehmend auf das dahinterliegende Wandfresko der Himmelfahrt des heiligen Domitian rückt Weiss-Richter den transzendeten Prozess des gen-Himmel-steigens nach vorne – heraus aus der heiligen Unantastbarkeit – und ruft ihn als für jedermann zugängliches bevorstehendes Ereignis ins Gedächtnis.


 2018
 

Zenita Komad. 8x10^9=1, Ausstellungsansicht Burgkapelle MMKK, 2018

08.11.2018 - 20.01.2019:

Zenita Komad. 8x10^9=1
Zenita Komad 1980 in Klagenfurt geboren, studiert an der Hochschule für angewandte Kunst in der Meisterklasse bei Marko Japelj Bühnenbild und Grafik sowie an der Akademie der bildenden Künste bei Franz Graf Mixed Media in Wien. 2004 erhält sie das Stipendium des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg und 2007 das MAK Schindler Stipendium in Los Angeles. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Ashkelon, Israel, mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen. In der neu konzipierten Installation mit dem Titel „8 x 109 = 1“, der symbolisch für die Menschheit steht, stellt die Künstlerin ein Vexierbild her. Den Götzen des heiligen Domitian, die er der Legende nach einst in den Millstätter See warf, stellt die Künstlerin eine zeitgemäße Parallelwelt entgegen, in der eine Sopranistin, begleitet von einem Klarinettisten, in einer Badewanne sitzend, die Götzen unserer Zeit abwirft - sie müssen der Sehnsucht der Hauptfigur nach spirituellen Antworten weichen. Die Kapelle wird zu einem Uterus, in dem der neue Mensch geboren wird. Durch eine Waschung versucht die Protagonistin in sich Platz zu schaffen für Erkenntnis. Eine 15-minütige Komposition von Nadir Gottberg ist das Herzstück der Installation, die zur Eröffnung uraufgeführt wird. Das Rätsel bleibt aufrecht und das Bild im Bild wirft neue Fragen auf. Doch das Problem ist, wie können wir die wahre Welt finden, in der wir leben, und nicht die üblichen Trugbilder?

Alina Kunitsyna, Flux-Time, 2016-2017, Öl auf Leinwand 270x270 cm, Foto: Alina Kunitsyna

08.03.2018 - 20.05.2018:

Alina Kunitsyna. Flux-Time
Alina Kunitsyna ist 1981 in Minsk geboren und in Russland aufgewachsen. Nach dem Besuch des Kunst-Lyzeums in Minsk von 1991 bis 1998 und einem Aufenthalt in Prag, setzt sie ihre Ausbildung in Linz an der Universität für Gestaltung fort. Ab 2003 studiert sie Neue Medien bei Peter Kogler an der Akademie der bildenden Künste in Wien und schließt 2007 mit dem Diplom bei Constanze Ruhm ab. Seither ist die Künstlerin freischaffend tätig und arbeitet in Wien und in Damtschach in Kärnten. Seit 2017 unterrichtet Alina Kunitsyna an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Für ihr Werk hat sie bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, unter anderem den Preis für Kunst und Digitale Medien der Akademie der bildenden Künste in Wien, den Förderungspreis für bildende Kunst des Landes Kärnten und den Kapsch Kunstpreis. Das Thema der Falte nimmt innerhalb des künstlerischen Œuvres von Alina Kunitsyna einen hervorragenden Stellenwert ein. Es findet sich in unterschiedlichen Darstellungen, in denen die Künstlerin der Frage nach dem Körper, nach seiner An- und Abwesenheit, nach Dasein und Vergänglichkeit nachgeht und ein Spiel von Verhüllen und Offenbaren, von Versprechen, Sehnsucht, Verführung, von Erfüllung und Enttäuschung, Anschein und Sein zelebriert. Es geht dabei um Fragen der Wahrnehmung, um das Sehen und Sichtbarmachen, das die Malerei über den herkömmlichen Augentrug hinaus in ein komplexes Bedeutungs- und Reflexionsgeflecht hebt. In der Burgkapelle installiert Alina Kunitsyna ein virtuos-realistisches Ölgemälde eines kreisrund aufgeschlagenen blauen Fächers, der sich dominant vor das barocke Wandfresko mit der Darstellung der Himmelfahrt des Heiligen Domitian schiebt und diese mehrdeutig verbirgt. Die Künstlerin bedient sich einer der Barockmalerei äquivalenten bildnerischen Sprache, um einen profanen geistigen Raum parallel zum religiösen des Freskos zu schaffen, in dem die historische Erzählung mit ihren eigenen Mitteln relativiert wird und neue Perspektiven – physischer und metaphysischer Natur – etabliert werden.


 2017
 



09.11.2017 - 14.01.2018:

Markus Wilfling. Bahn
Markus Wilfling (* 1966 in Innsbruck) zählt zu jenen österreichischen Bildhauern, die sich auf eine unbeschwerte und gleichzeitig scharfsinnige Art und Weise mit der uns umgebenden Wirklichkeit befassen. In seinen Plastiken, Installationen und räumlichen Interventionen greift der Künstler vor allem Wahrnehmungsphänomene auf, die uns im Alltäglichen begegnen, denen wir ob ihrer Selbstverständlichkeit oft aber nur wenig Aufmerksamkeit schenken. Durch Kontextverschiebungen und kleine, aber wesentliche Formveränderungen befreit er Dinge und Materialien des Alltags in seinen Werken von den ihnen angestammten Funktionen, setzt Assoziationen frei und rüttelt an unserer räumlichen Wahrnehmung. Er materialisiert Immaterielles wie die Schatten der Dinge und täuscht uns mit Spiegelobjekten oder Alltagsgegenständen, die durch seine Eingriffe scheinbar unsere Raumgrenzen überschreiten. In der Burgkapelle des Museums Moderner Kunst Kärnten setzt sich Markus Wilfling mit den spezifischen Gegebenheiten des barocken Sakralraumes auseinander, speziell mit dem zentralen Fresko von Josef Ferdinand Fromiller, das die Himmelfahrt des heiligen Domitian von Millstatt zeigt. Dieses zelebriert die Szene – ganz und gar der Zeit entsprechend – in dynamischen, spiralhaften, nach oben gerichteten Bewegungsformen als Triumph. Markus Wilfling greift diese barocken Charakteristika sowohl inhaltlich als auch formal auf und übersetzt sie, wie immer mit einer guten Portion ironischem Witz, in das Hier und Jetzt des Raumes: er stellt der barock gewundenen Aufwärtsbewegung eine aus Gerüstelementen entwickelte Rennbahnstrecke gegenüber. Die Verheißungen der Vergangenheit werden mit Verheißungen der Gegenwart konfrontiert.

Gerold Tusch Sujet

22.06.2017 - 07.10.2017:

Gerold Tusch. Himmel auf Erden
Gerold Tusch, 1969 in Villach geboren, beschäftigt sich in seiner künstlerischen Arbeit vor allem mit historischen, ornamentalen Elementen aus dem Bereich des Dekors und des Kunsthandwerks. Das tradierte Formenrepertoire, besonders die Prunkformen des Barock und Rokoko, bietet dem Künstler einen reichen Fundus, auf den er pointiert zugreift. Gerold Tusch löst die Gegenstände aus ihrem angestammten Kontext und transferiert sie in einen neuen, zeitgenössischen Zusammenhang, um ihre formale und inhaltliche Wirkkraft zu prüfen bzw. sie für eigene gestalterische Ideen zu nutzen. Dazu bedient sich der Künstler des Mittels der Keramik. Aus Ton erzeugt er ungewöhnliche, skulpturale Werke im Raum, die mit großer Sinnlichkeit die Betrachtenden faszinieren und die zugleich auf einer intellektuellen Ebene wirksam werden, indem sie Fragestellungen aktueller Relevanz aufwerfen. In der Installation „Himmel auf Erden“ arbeitet der Künstler mit Wolkenformationen. Diese ornamentalen Wolken-Ringe sind Zitate der „Silberwolke“, Details barocker Altäre. Sie werden am Steinboden der Burgkapelle verteilt. Das Himmelsmotiv wird auf die Erde herab geholt, verliert dadurch seine paradiesische Dimension und erlangt neue Bedeutung. Es fokussiert die Blicke, die nun nicht mehr in den Himmel, in die Unendlichkeit, die Ewigkeit, schweifen, auf den Boden der profanen Welt. Zugleich kann man, zwischen den Wolkengebilden durch die Installation gehend, der Illusion nachgeben, in höheren Sphären zu wandeln. Der Künstler setzt der barocken Himmelsillusion der Burgkapelle eine zeitgenössische, irdische Seins-Version entgegen, die sich mit ihr zu einem neuen Ganzen, das reale und geistige Ebenen umschließt, verbindet. Im Verhältnis von Himmel und Erde, Jenseits und Diesseits, Illusion und Realität spannt sich ein komplexer Diskussionsraum – auch der eigenen Verortung – auf.


 2016
 

Sonja Gangl und Nipple Jesus

13.10.2016 - 08.01.2017:

Sonja Gangl. White Cube Jesus
Sonja Gangl, 1965 in Graz geboren, lebt und arbeitet heute in Wien, wo sie auch an der Akademie der bildenden Künste und an der Universität für angewandte Kunst studiert hat. Sonja Gangl beschäftigt sich vorwiegend mit den Medien Fotografie, Film und Computer und verbindet diese auf technischer, formal-ästhetischer wie auch inhaltlicher Ebene mit klassischen künstlerischen Gattungen wie Malerei, Zeichnung und Installation, was zu neuen, höchst interessanten, zeitgenössisch aktuellen Werkergebnissen führt, die durch die Verfahren des Medientransfers der Motive bildnerisch geprägt und inhaltlich aufgeladen sind. Die konzeptuellen Ansätze der Arbeit von Sonja Gangl, die sich der kritischen Auseinandersetzung mit gegenwärtigen, gesellschaftsrelevanten Problemen sowie der Auslotung der künstlerischen Mittel und Medien selbst verschrieben hat, werden in aufregenden, weil für den Kunstbetrieb ungewöhnlichen Strategien entwickelt und münden in inhaltlich dichte und technisch perfekte Resultate großer Referenzbreite. Das künstlerische Aktionsfeld von Sonja Gangl geht über die herkömmlichen Kategorien hinaus, schließt Arbeiten im öffentlichen Raum mit ein und umfasst insbesondere Projekte, die sich in spielerisch-affirmativer Weise sozialen und ökonomischen Praktiken annähern. Sonja Gangl macht Strukturen, Mechanismen, Versprechen und Wertvorstellungen der zeitgenössischen Konsumgesellschaft sichtbar und vermittelt ihr verführerisches, manipulatives Vermögen sowie ihr Verlangen nach Befriedigung. Der Stil der Künstlerin ist als konzentriert, fokussiert, reduktiv und minimalistisch zu beschreiben. Sie setzt ihre Sujets in neue Relationen. Auch die Arbeit in der Burgkapelle lässt sich in dieser Weise beschreiben. Mit der Installation eines puristischen, weißen Quaders, der gleichzeitig als Skulptur wie als Bühnenbild und Rahmen der theatralen Inszenierung gelesen werden kann, setzt die Künstlerin dem barocken Kirchenraum einen White Cube entgegen und stellt damit der Handlung des Stückes einen realen und zugleich zeichenhaften Raum zur Verfügung.

Regina Hübner, Zeit/Person, Cinecittà Filmstudios, La Notte Bianca, Rom, 2006, Rauminstallation, Musik: Luca Lombardi, Foto: Enrico Realacci

21.04.2016 - 04.09.2016:

Regina Hübner. time and person
Regina Hübner wurde in Villach geboren und lebt heute in Rom und in ihrer Geburtsstadt. Die Künstlerin besuchte die Ortweinschule in Graz und studierte anschließend an der Accademia di Belle Arti in Rom, an der sie 1990 diplomierte. Seither ist Regina Hübner als freischaffende Künstlerin in den Bereichen experimentelle Fotografie, Video und Performance tätig. In der Burgkapelle des MMKK zeigt die Künstlerin eine multimediale Installation mit dem Titel „time and person“, die in dieser Form speziell für den spezifischen, ehemaligen Sakralraum mit all seinen architektonischen Merkmalen und dem barocken Freskenschmuck von Josef Ferdinand Fromiller konzipiert wurde. Die Arbeit besteht aus einer zweiteiligen Videoinstallation und einem auditiven Teil, der aus Musikstücken des international bekannten italienischen Komponisten Luca Lombardi zusammengestellt ist und, mit den visuellen Werken synchronisiert, in rhythmischem und konzeptuellem Einklang steht. „time and person“ führt einen Diskurs über die menschliche Existenz. Das Wachsen und Werden sowie das Vergehen, die ewige Wiederkehr und der unendliche Zeitfluss werden in den Videoarbeiten thematisiert, die auf semitransparenten Bildträgern im Raum wiedergegeben werden, diesen erobern und die Betrachtenden direkt konfrontieren und in ihren Bann ziehen. Musik und Film verschränken sich. Das Zeitliche und sein Verlauf finden sich zwischen den Polen von Geschichte und Vergänglichkeit, die durch den realen historischen Rahmen gegeben sind, und aktuellem Moment wieder, der zum Zeitpunkt des Eintrittes der Besuchenden und ihrer Interaktion markiert wird. Während der Ausstellungsdauer gibt es im Rahmen einer Matinee eine musikalische Live-Performance in der Burgkapelle, in der der bekannte Florentiner Flötist Roberto Fabbriciani die Musikstücke von Lombardi vorträgt. Maestro Luca Lombardi wird persönlich die Einführung dazu übernehmen. Zur Ausstellung erscheint ein Faltblatt mit Texten von Arnulf Rohsmann und Christine Wetzlinger-Grundnig.


 2015
 



12.11.2015 - 06.03.2016:

Fabio Zolly. Rendezvous mit der Realität
Fabio Zolly wurde 1955 in Spittal an der Drau geboren, studierte Bühnen- und Filmgestaltung bei Erich Wonder an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien und lebt heute als freischaffender bildender Künstler in Wien und Niederösterreich. Seine Kunst ist konzeptionell und multimedial. Einzelne Elemente, ephemere Phänomene, aber auch umfassende Bedingungen des urbanen Lebens in einer globalisierten Welt, die von Mobilität, Reglementierung und Kapitalismus geprägt ist, bilden das inhaltliche Feld, aus dem er schöpft. Zolly macht auf Beiläufiges aufmerksam, durchleuchtet, nimmt Stellung und verquickt Allgemeines immer wieder mit der Frage nach dem, was Kunst ist, wie die Mechanismen im Kunstbetrieb funktionieren und welchen Bedingungen Kunst und Kunstschaffende ausgesetzt sind. Vieles entsteht auf seinen zahlreichen Reisen: Abdrücke von Kanaldeckeln als historische Zeugnisse städtischer Identitäten, Fotografien von Wolken und Flugzeugschatten als Spuren von Mobilität, Röntgenbilder, die das Innere von Reisekoffern sichtbar machen als Hinweis für Überwachung oder vor architektonischen Wahrzeichen – etwa der Akropolis in Athen – abgelichtete rot-weiße Bauabsperrbänder mit der Aufschrift „copyright by Fabio Zolly“ als Indiz für und gleichzeitig Frage nach Reglementierung, Besitz und Begrenzung im Allgemeinen wie in der Kunst. In seiner Installation „Rendezvous mit der Realität“ für die Burgkapelle des MMKK setzt sich Fabio Zolly mit der politischen und wirtschaftlichen Situation seines Heimatlandes Kärnten – vor allem auch für den Kultursektor – auseinander und liefert vor dem Hintergrund der Darstellung der Himmelfahrt des heiligen Domitian ein mögliches Zukunftsszenario.



09.04.2015 - 11.10.2015:

PETER JELLITSCH. IT COULD BE LIKE THIS...
Peter Jellitsch, geboren 1982 in Villach, absolviert seine Ausbildung an der Universität für angewandte Kunst und an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Der Künstler agiert an den Schnittstellen von Wissenschaft und Kunst. Seine forschungsbasierte Arbeitspraxis entfaltet sich in einem vielschichtigen Prozess in virtuellen und analogen Welten. Zentral geht es um das Sichtbarmachen von eigentlich nicht Sichtbarem, um die Visualisierung alltäglich vorhandener, mit dem menschlichen Auge nicht wahrnehmbarer virtueller Phänomene und Strukturen. Peter Jellitsch ist Exponent einer jungen Generation, deren Wahrnehmung der Wirklichkeit durch die neuen Technologien eine radikale Veränderung erfahren hat und die ganz selbstverständlich in neuen Dimensionen ihr Denk- und Arbeitsfeld aufspannt. Diese Ausweitung der herkömmlichen Grenzen und eine kritische Beobachtung der Realität sind Voraussetzungen des Werks und charakterisieren auch die fachübergreifende, integrative Denkart des Künstlers, wie seine Methoden und Techniken, die einerseits naturwissenschaftlich, streng-mathematisch und andererseits absolut künstlerisch, formal-ästhetisch angelegt sind. Der virtuelle Raum wird als relevante Größe der Realität begriffen. Dem Künstler geht es um die Herstellung eines Dialoges zwischen virtuellen Prozessen und dem physikalischen Realraum. Über die Handzeichnung nähert sich der Künstler den ephemeren Phänomenen an, führt sie in ein analoges Ergebnis über, indem sich die digitale Information der virtuellen Sphäre konkretisiert. Durch die Transformation entstehen imposante (so noch nie gesehene) abstrakte Bilder und Objekte. In der Burgkapelle setzt sich Peter Jellitsch mit dem zentralen Fresko von Ferdinand Fromiller auseinander. Er selektiert einzelne Teile der barocken Scheinmalerei – Darstellungen nicht greifbarer Inhalte, Atmosphärisches, Stimmungen, zwischenmenschliche Bezüge – und konfrontiert diese mit einer abstrakten Bildanalyse. Die spezifischen, erarbeiteten Fragmente werden in Form von Kompositionsskizzen, Zeichnungen und Objekten auf Präsentiertischen in der Kapelle gezeigt, die an eine Studiensituation erinnern. Die Rezipierenden setzen die Transformationen wieder in Bezug zum Original.


 2014
 

zweintopf, The Flat Earth Society ( Installationsansicht), Burgkapelle des MMKK 2014, Foto: Ferdinand Neumüller, Bildrecht, Wien 2014

11.12.2014 - 01.03.2015:

zweintopf - The Flat Earth Society
zweintopf – seit 2006 agieren Eva Pichler und Gerhard Pichler als Künstlerduo mit vorsätzlich widerspenstigem Namen. Von der Steiermark aus präparieren sie in ortsspezifischen Installationen, Videos, Objekten und Kunst im öffentlichen Raum ihren Blick auf die globalisierte Welt, auf politische Zusammenhänge, ökonomische Zwänge und gesellschaftliche Phänomene. Temporäre Monumente und unangemeldete Interventionen formieren sich dabei gegen eine zunehmende Überwachung und Eventisierung des öffentlichen Raumes. Im Ausstellungsraum erfahren handelsübliche Massenprodukte oder gefundene Objekte, Klischees und Kulturtechniken ihre Umdeutung innerhalb multimedialer Assoziationsfelder. Wenn nun in der Burgkapelle Versatzstücke einer vorgeblich funkelnden Waren- und Medienwelt auf die illusionistische Barockmalerei samt regionalem Heiligenkanon treffen, geht es neben der erfolgreichen Simulation verschiedener Welten nicht zuletzt auch um eine Verflachung der Welt. Hatte Josef Ferdinand Fromiller noch über die Geheimnisse der Geometrie versucht, die gebaute Wirklichkeit zu durchbrechen und dem Göttlichen einen sphärischen Raum zu eröffnen, so genügt innerhalb der relativ komplexen Warenwelt der heutigen Konsumgesellschaft längst ein vordergründiges, sich regelmäßig wiederholendes Spektakel und die mediale Vorspiegelung einer Wirklichkeit, die den Einzelnen und seine Handlungen für sich vereinnahmt. Der Titel „The Flat Earth Society“ ist dabei einer Bewegung entliehen, die wider aller wissenschaftlichen Erkenntnisse bis heute behauptet, dass die Welt eigentlich eine Scheibe ist.

IN-between-SPACE, 2014, Detail, ©Bildrecht, Wien, 2014

06.04.2014 - 25.05.2014:

Eva Petrič. IN-between-SPACE
Die junge slowenische Künstlerin Eva Petrič ist auf verschiedenen Kontinenten, in unterschiedlichen Kulturkreisen aufgewachsen. Die Erfahrungen als Kosmopolitin haben ihren Blick auf die Welt und das Leben in dieser Welt geprägt und ihre Sensibilität geschärft. Mit diesen Voraussetzungen hat die Künstlerin eine individuelle, interdisziplinäre Sprache entwickelt. Frei und unkonventionell schöpft sie aus dem Fundus der Menschheitsgeschichte, wenn sie Märchen und Mythen, Zeichen und Symbole, Entdeckungen, Erfindungen und Relikte aufgreift, subjektiv auflädt, interpretiert und mit persönlichen Gedanken und Gefühlen verbindet, um damit zu neuen Erzählungen zu finden. In poetischen, geistigen oder realen Bildern und Bildräumen erzeugt sie, in phantastischen Inszenierungen, konkrete und imaginäre Räume. In der Burgkapelle installiert Eva Petrič eine multimediale Arbeit, die auf einem ESA-Foto des Weltraumteleskopes „Hubble“ beruht, das neu entstandene Sterne und Sternkonstellationen abbildet. Diese spezifische stellare Formation baut Eva Petrič nach, indem sie unzählige kleine Spitzendeckchen zu großen, textilen Formelementen zusammennäht, die in der Kapelle kulissenhaft aufgespannt werden. Dazu kommen eine Soundkulisse mit NASA-Aufnahmen von Weltallgeräuschen, dem Gesang der Künstlerin und der Musik von ihr und Matija Strniša sowie fotografische Projektionen, die den Raum in ein interagierendes, evokatives, atmosphärisches Gefüge verwandeln. Der geistige Vorstellungsraum der Kapelle tritt über die limitierenden Grenzen seiner bisherigen Bestimmung. Die grundlegenden existentiellen Fragen, die im spirituellen Kontext virulent sind, werden in einen erweiterten Diskurs, abseits des religiösen Rahmens, gestellt, der Urknall-Theorie und theologischen Schöpfungsmythos verbindet.


 2013
 

Sibylle von Halem, Opaion, 2013, Fotomontage unter der Verwendung eines Fotos von Ferdinand Neumüller, © Bildrecht, Wien, 2013

12.12.2013 - 16.02.2014:

Sibylle von Halem. Opaion
Sibylle von Halem interessieren die realen, gedachten und gefühlten Orte, an denen das Individuum mit seiner Umwelt in Berührung kommt, sowie die starken, grundlegenden Gefühle, die entstehen, wenn die Innenwelt eines ganz auf sich selbst zurückgeworfenen Menschen und die Außenwelt aufeinandertreffen. In ihren luftigen, textilen Installationen und Objekten wie auch in ihren Arbeiten in Stein präsentiert uns die Künstlerin persönliche Schutzhüllen und intime Orte des Menschen – wie Haut und Kleidung oder Betten, Duschen und Behausungen – als Schnittstellen zwischen Innen und Außen, als Orte zwischen Privatheit und Öffentlichkeit. Geborgenheit und Verletzlichkeit liegen hier eng beieinander, und das eine kann ganz schnell in das andere übergehen. Das griechische Wort „Opaion“ bezeichnet eine zentrale Öffnung an der höchsten Stelle einer Kuppel. Sibylle von Halem reagiert in ihrer Arbeit in der Burgkapelle auf die barocke, illusionistische Freskomalerei, die den ehemaligen Sakralraum bestimmt, insbesondere auf die gemalte, scheinarchitektonische Kuppel, die sich zum Himmel hin öffnet. Dorthin lenkt die Künstlerin durch die Mittel ihrer Installation den Blick der BetrachterInnen. Christlich Ikonografisches weitgehend ausgeblendet, das Individuum im Fokus, stellt Sibylle von Halem ganz allgemein die Frage nach den spirituellen Bedürfnissen des Menschen. In der Auseinandersetzung mit der Burgkapelle tritt erstmals das Über-sich-hinauswachsen-Wollen des Einzelnen, das uns die Künstlerin als ein dringendes menschliches Verlangen im Spannungsfeld zwischen freiem Willen und Zwang erfahren lässt, ins Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit.



06.11.2013 - 23.11.2013:

wolkenflug - MAGDALENA SÜNDERIN
nach Lilian Faschinger (Theatervorstellungen in der Burgkapelle) Eine siebenfache Mörderin entführt einen katholischen Priester, um in einer aberwitzigen Beichte ihr Gewissen zu erleichtern. Eine packende und komische Abrechnung mit dem Landleben, der Kirche und der unausweichlichen Katastrophe zwischen Mann und Frau, geschrieben in einer entfesselten musikalischen Sprache, zum ersten Mal für das Theater bearbeitet.



20.06.2013 - 20.10.2013:

Luisa Kasalicky
Luisa Kasalicky führt einen komplexen Diskurs, der die Malerei, ihre Rahmenbedingungen, Mittel und Möglichkeiten betrifft. Dabei agiert die Künstlerin mit plastisch-installativen Materialien situationsspezifisch im Raum. Sie baut und schichtet an Wänden und am Boden und erzeugt handwerklich „Bilder“, geometrisch-abstrakte Werke. Aus einfachen Bau- und Einrichtungsmaterialien entstehen assoziativ aufgeladene Assemblagen, die die Prinzipien der Malerei aufnehmen. Es handelt sich quasi um Malerei ohne zu malen. Die banalen Materialien führen zu neuen und ungewöhnlichen ästhetischen Erfahrungen, die die klassischen Kategorien des bildnerischen Gestaltens wie auch die Bedeutungszuschreibungen der Gebrauchswaren aufheben, neue Definitionen einführen bzw. Verborgenes hervorkehren. In der Burgkapelle begegnet Luisa Kasalicky den barocken Fresken von Josef Ferdinand Fromiller, indem sie der illusionistischen Scheinmalerei ebenbürtige zeitgenössische Mittel entgegensetzt, die weitere Perspektiven erzeugen und die Blickführung bzw. Wahrnehmung – ebenso eloquent wie die Mittel des barocken Illusionismus – zu anderen Sichtweisen und Erkenntnissen umleiten. In einer multimedialen Installation, in theatralischer Inszenierung und performativer Komponente wird den BesucherInnen quasi eine Erzählung vorgestellt, die ganz neue Deutungen und Zusammenhänge herstellt. Dabei werden der Symbol- und Zeichencharakter sowie die jeweiligen Bedeutungszuschreibungen der einzelnen Gegenstandselemente in subjektiver Interpretation gedeutet. Das historische Werk und die aktuellen Arbeiten verbinden sich im Spiel mit den Konnotationen und Assoziationen zu einem völlig neuen Ergebnis in neuer inhaltlicher Aufladung. Hinzu kommt eine temporäre musikalische Performance von Siegfried Zaworka, deren Tonaufzeichnung das Werk als auditive Metaebene begleitet.



21.03.2013 - 02.06.2013:

ART PROTECTS YOU Jochen Traar. the local
Der ehemalige Sakralraum der Burgkapelle wird von Jochen Traar in einen Ort profaner Begegnung verwandelt. Umfunktioniert in einen öffentlich (von der Straße her direkt) zugänglichen Aufenthaltsraum mit Sitzgelegenheiten und mit einer kleinen Bibliothek, die Publikationen zu unterschiedlichsten Bereichen der Thematik „Lebenshilfe“ im weitesten Sinne umfasst, ausgestattet und mit der mehrdeutigen Bezeichnung „the local“ versehen, die einerseits auf den Ort, auf das „Lokal“, und andererseits auf den Ortsansässigen verweist. Letztere Interpretation verknüpft den Titel mit dem konkreten inhaltlichen Programm, das in der Burgkapelle, parallel zur Ausstellung von Jochen Traar im MMKK und als Teil davon, eine geschlossene Reihe an verschiedensten Vorträgen aus allen möglichen Lebensbereichen anbietet. Die Referentinnen und Referenten, die grundsätzlich aus der Region stammen sollten bzw. einen Bezug dazu haben müssen, repräsentieren mit ihrem speziellen Können und Wissen eine besondere Güte vor Ort, auf die der Fokus gelegt wird. Qualitäten werden sichtbar gemacht und in den Vordergrund gerückt, die im Alltagsleben der öffentlichen Aufmerksamkeit entgehen, hinter der Dominanz lancierter tagesbestimmender Themen unsichtbar bleiben. Das spezifische Werk des Künstlers ist die Arbeit im sozialen Umfeld – wie wir sie von Jochen Traar kennen –, die Intervention und das reale Projekt als Versuchsanordnung. Der Künstler liefert die Idee und die Strategie als Input und stellt Möglichkeiten zur Verfügung, die entweder angenommen und entwickelt oder aber verweigert werden können. Beide führen den prozessualen Verlauf zu einem Ergebnis unterschiedlicher Aussagekraft. Zugleich wird das Museum für ganz neue gesellschaftliche Inhalte zugänglich gemacht und zeigt sich als Ort der sozialen Begegnung und Diskussion. Die Aufgabe der Kunst, des Künstlers sowie der Institution werden selbstkritisch überprüft, in Frage gestellt und vielleicht sogar neu definiert.


 2012
 



27.09.2012 - 25.11.2012:

Heike Weber. Kilim
Die Kölner Künstlerin Heike Weber beschäftigt sich mit der Erweiterung der Zeichnung in den Raum. Ihre linearen Gestaltungen verlassen den Bildträger, kommen ohne Trägermaterial aus, schweben oder liegen frei im Raum und nehmen plastische Qualitäten an. Oder sie bedecken die Flächen, die Böden, Wände und Decken von Räumen, passen sich ihnen an, brechen sie optisch auf und machen den Raum selbst damit zum Bildträger und – im radikalsten Falle des All-over – zur begehbaren Zeichnung. Ihre Zeichenmaterialien findet die Künstlerin in Alltäglichem. Sie zeichnet mit Haarnetzen, Wäscheleinen, Klebepunkten, Fenstermalfarbe, Teppichmeterware, Kreppband oder Permanentmarkern aus PVC u.s.w.. Für die Burgkapelle des MMKK, dessen Wände und Decke mit barocken Malereien von Josef Ferdinand Fromiller bedeckt sind, produziert Heike Weber einen fast Boden füllenden Kelim (türkisch: "kilim") aus Silikon. Sie konfrontiert den illusionistisch ausgestalteten Raum mit einem Teppich, den man ebenso als „illusionistisch“ bezeichnen kann, besteht er doch allein aus der in Silikon gezeichneten, plastischen Ornamentik des Bodenbelags. Neben Fragen der Ikonografie, Ikonologie und des Kulturtransfers wird durch die Konfrontation ein Themenfeld eröffnet, das sich zwischen den Polen Orient und Okzident, Sakrales und Profanes, Tradition und Moderne ausbreitet. Ein fliegender Teppich orientalischer Herkunft trifft auf die Himmelsfahrt eines Regionalheiligen Kärntens.

Nitsch Auferstehungszyklus Burgkapelle

21.06.2012 - 09.09.2012:

Hermann Nitsch
Den ehemaligen Sakralraum nutzt Hermann Nitsch um - in geradezu idealtypischer Weise - die eigenen religösen Werkaspekte vor dem historischen barocken Freskenschmuck von Josef Ferdinand Fromiller zu spiegeln.

Hanakam & Schuller

22.03.2012 - 03.06.2012:

Hanakam & Schuller. Crystal Cathedral
Markus Hanakam (*1979) und Roswitha Schuller (*1984) bedienen sich vielerlei Medien – Video, interaktive Computeranwendung, Installation, Zeichnung. Sie beschäftigen sich mit aktuellen zeitgenössischen künstlerischen Strategien, die sie sich aneignen, um sie auf ihre eigene, oftmals ironische Weise, zu verwerten. Häufig agieren sie in ihren Arbeiten mit anonymen Objekten, mit industriell gefertigten Kunststoffteilen, die durch Zuordnung von Eigenschaften und Funktionen zu emotional besetzten Charakteren werden und dann in Filmen, Animationen und Installationen zum Einsatz kommen. »Hanakam & Schuller schaffen virtuelle Räume, die sich durch ein komplexes System aus Inszenierungen und einem Zusammenspiel aus Zitaten zu einem eigenen Kosmos entfalten. Durch die entfremdete und personifizierte Darstellung industrieller Produkte und Alltagsgegenstände innerhalb eines neuen Settings führen Hanakam & Schuller mit ihren Arbeiten letztlich den Bruch mit der Konsumwelt vor Augen.« (Margarita Rukavina, 2010). Diesen Ansatz verbinden sie in der Burgkapelle mit einer Paraphrasierung das Designs der Garden Grove Community Church – der ersten Drive-in Kirche der USA (Architekt: Richard Neutra); heute Zentrum der evangelikalen Freikirche um Fernsehprediger und Ratgeberautor Robert H. Schuller, aus der das internationale TV-Format Hour of Power übertragen wird – zu einer komplexen installativen Arbeit, die gleichermaßen formal-ästhetische wie inhaltliche, analytisch-kritische Fragestellungen aufwirft. Hanakam & Schuller sind seit 2005 in Ausstellungen in Europa, den USA, Japan und Russland (4th Moscow Biennale of Contemporary Art 2011) vertreten. Für ihre Arbeit erhielten sie bereits bedeutende nationale und internationale Auszeichnungen, wie das MAK Schindlerstipendium in Los Angeles (2008) oder den Jury-Preis für INVASION beim Japan Media Arts Festival 2012.


 2011
 

Melitta Moschik, Enlightenment, 2011, Installation MMKK Burgkapelle

15.12.2011 - 04.03.2012:

MELITTA MOSCHIK. ENLIGHTENMENT
Den Anfang und das Ende der Ausstellung "Reality Shapes" bildet die Installation ELNIGHTENMENT, 2011, in der Burgkapelle. Vor der barocken Freskomalerei der Altarwand ist ein schwarzer, quadratischer Monitor auf einem weißen Sockel postiert, der im sequentiellen Wechsel verschiedene geometrisch-abstrakte und farblich differenzierte Leuchtsignale aussendet. Die profanen elektronischen Lichtzeichen treten in Dialog mit der sakralen, barocken Malerei und stellen einen zeitgenössischen Bezug zur historischen Raumgestaltung her.

Irene Andessner / Timm Ulrichs, Abendmahl MMKK , 2011

23.11.2011 - 23.11.2011:

Abendmahl MMKK – Lebendes Bild nach Leonardo/Ulrichs
Irene Andessner / Timm Ulrichs Abendmahl MMKK – Lebendes Bild nach Leonardo/Ulrichs Interaktive Performance in der Burgkapelle im Museum Moderner Kunst Kärnten

Eva Paulitsch und Uta Weyrich, true fiction

22.09.2011 - 20.11.2011:

Eva Paulitsch und Uta Weyrich. True fiction
Eva Paulitsch und Uta Weyrich agieren an den Schnittstellen von privatem und öffentlichem bzw. institutionalisiertem Raum, wirken zwischen Kunst und Gesellschaft. Sie verbinden virtuelle und reale Sphären, interventionistische und partizipatorische Strategien mit klassischen Formen der installativen, musealen Präsentationspraxis und nutzen neue und neueste Techniken der elektronischen Bildgenerierung und -vermittlung. Als Basismaterial ihrer Arbeit nutzen die Künstlerinnen aktuelle private Handyvideos von Jugendlichen und integrieren diese als authentische, persönliche Zeugnisse aktueller Realitätswahrnehmung, als unmittelbare, subjektive Blicke auf die Wirklichkeit, in ihr Werk. Die Zusammenschau der unterschiedlichen Aufnahmen scheinbar unwesentlicher Dinge ergibt ein fesselndes, umfassendes Bild der zeitgenössischen Lebenswelt und Gesellschaft als zeithistorisches Dokument, zusammengesetzt aus flüchtigen Streiflichtern, selektiert aus einer alltäglichen, rasenden Bilderflut. In der Burgkapelle sind die Filme auf scheinbar frei im Raum schwebenden Flächen wiedergegeben und verwandeln den Ort in einen Erfahrungsraum, der den Betrachtenden einbezieht. Die virtuelle Weltenkonstruktion ist in direktem Bezug auf die barocke Scheinmalerei von Josef Ferdinand Fromiller inszeniert. Zwei unterschiedliche illusionistische Bildräume treffen so aufeinander – die statische, historische, religiös motivierte, spirituelle Darstellung der Apotheose des Hl. Domitian begegnet dem dynamischen, modernen Befund einer heutigen, profanen, materialistisch-kommerziellen Sozietät – und liefern in der Konfrontation eine komplexe Analyse zu Fragen der Gesellschaft sowie der Kunst und gleichzeitig stellen sie die Wahrnehmungsgewohnheiten, Blickwinkel und Erfahrungen der Rezipierenden auf die Probe. Technische Realisation: Philipp Contag-Lada, www.7PC.de

Lisa Huber. KOPF.ÜBER, Tanz II (Ausschnitt), 2010, Holzschnitt auf Papier/Handabzug, Foto: Ferdinand Neumüller, VBK 2011

09.06.2011 - 04.09.2011:

Lisa Huber. KOPF.ÜBER
Die in Berlin und Kärnten lebende Künstlerin Lisa Huber gestaltet Holzschnitte von monumentalen Ausmaßen. Eine spezielle, an traditionellen Techniken orientierte Arbeitsweise ermöglicht der Künstlerin, eine ganz eigene, malerische Wirkung in den von Hand abgezogenen Einzelblättern zu erzielen. Die grafisch lineare Zeichnung wird durch eine malerisch und frei anmutende Kolorierung ergänzt. Impulse für Lisa Hubers Holzschnitte sind vorwiegend sakrale oder historisch-literarische Themen. Ihre Vorlagen stammen bevorzugt aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Mit ihren Drucken schafft die Künstlerin Neuinterpretationen, die sie in Serien erarbeitet. In der Burgkapelle ist Lisa Hubers neueste Holzschnittserie in einer installativen Hängung zu sehen. Der Tanz ist Ausgangspunkt für die Arbeiten. Als intensive Auseinandersetzung mit dem Körper und als tiefer Ausdruck des Seins wird der Tanz zum Ursprung für die grundlegenden existentiellen Fragen, die Lisa Huber mit diesem Zyklus berührt. Im freien Fall scheint die Schwerkraft der Tänzerin außer Kraft gesetzt und die Zeit steht still. Es sind Momente komprimierter Intensität, die die Künstlerin in diesen Blättern festhält. Die Burgkapelle liefert als meditativer Kraftort den optimalen Rahmen. Mit der Präsentation schlägt das Museum Moderner Kunst Kärnten eine Brücke zur diesjährigen Kärntner Landesausstellung in Fresach, wo Lisa Huber aus diesem Anlass Fenster und Apsis künstlerisch neu ausgestaltet.


 2010
 

Ferdinand Penker, Morbus F., 2010, Installation Burgkapelle MMKK, Foto: Arnold Pöschl

16.12.2010 - 27.02.2011:

Ferdinand Penker
Morbus F., 2010, Installation MMKK Burgkapelle, Foto: Arnold Pöschl | 25 abstrakte Blätter, die auf eisernen Objekten präsentiert sind, bestimmen als „monochrome Ebenen“ den Raum. Die Stützen erinnern an Schreibpulte mittelalterlicher Skriptorien und verweisen auf die präzise und monotone Tätigkeit der Mönche, die über Jahrhunderte die Weitergabe abendländischen Kulturgutes sicherte. Die Blätter selbst zeigen abstrakte Oberflächen, die mit dem Steinboden der Burgkapelle assoziierbar sind. Sie sind in Temperafarben ausgeführt, deren Pigment Ferdinand Penker selbst aus grauem Schiefergestein in Wales gewonnen hat. Mit dem Titel nimmt der Künstler zum einen auf die Namensgleichheit – F. steht für Ferdinand – Bezug, die er mit jenem Künstler teilt, der einst in spätbarockem Prunk die Wände der Burgkapelle mit illusionistischen Fresken ausgestattet hat: Josef Ferdinand Fromiller. Zum anderen definiert Penker sich selbst, den Namenskollegen und im Grunde den Künstler per se, als einen Menschen, der durch einen geradezu obsessiven Gestaltungswillen charakterisiert ist und daran gleichsam wie an einer Krankheit (lat. morbus) leidet. Daraus lassen sich die Fülle malerischen Ausdrucks erklären, die Akribie, mit welcher der Künstler seine Kunst verfolgt (bis hin zur Herstellung der Malmittel selbst), und der Zwang, sein Werk stetig abzuwägen und in einem selbstreflexiven Prozess zu diskutieren. Dieser Morbus führt den Künstler zu einer Malerei, die immer wieder aufs Neue beginnt, die immer weiter fortsetzbar und somit nie zu Ende ist.



23.09.2010 - 28.11.2010:

Werner Hofmeister, Ohne Titel, 2010
Installation im Rahmen von HEIMAT | DOMOVINA



03.06.2010 - 05.09.2010:

Sabina Hörtner. KEINE ZWEI STUNDEN
In der künstlerischen Arbeit von Sabina Hörtner geht es um den Raum als komplexes kulturelles Gefüge, aber auch um individuelle, persönliche Verhältnisse. Die Künstlerin bezieht sich auf die konkrete räumliche Struktur ebenso wie auf soziale, politische, historische Definitionen. Die Intervention setzt an der Schnittstelle der divergenten verräumlichten Diskurse an und definiert zugleich den Raum neu. Ausgangspunkt der Installation, die mit den Bezugspunkten von Licht, Farbe und Raum agiert, sind die flüchtigen, sinnlichen Bilder, die durch die Reflexionen des einfallenden Tageslichtes entstehen. Sie sind in einer Sequenz von sechs Handzeichnungen festgehalten, die Zeit- und Raumkomponenten am zweidimensionalen Blatt konzentriert. Diese Illusionen sind Teil des räumlichen Konzeptes einer begehbaren Bühne, die die Werke sowie die Betrachtenden emporhebt und aufwertet, sodass sie der barocken, sakralen Scheinmalerei auf Augenhöhe begegnen und, wie im Theatrum mundi, Teil des Geschehens werden. Die Künstlerin setzt dem Kirchenraum und der illusionären Malerei eine zeitgemäße, profane, konkrete Konstruktion entgegen, die in Relation zu den Konnotationen des Raumes steht, sich auf seine Form- und Farbgebung bezieht und die, in ihrer reduzierten Strenge und symmetrischen Ordnung, einen deutlichen Gegenpol zur Barockmalerei und ihrem visionären Inhalt darstellt, diese dechiffriert und konterkariert.

Marlies Liekfeld-Rapetti, Zucht, 2010, Ausstellungsansicht, Detail, Foto: Ferdinand Neumüller

18.02.2010 - 16.05.2010:

Marlies Liekfeld-Rapetti. Zucht
Das Elementare des Lebens, der Kreislauf von Entstehung, Wachstum und Verfall, der vor allem an den Oberflächen von Körpern sichtbar wir d,bildet einen zentralen thematischen Rahmen in Marlies Liekfeld-Rapettis Kunst, ihre Lebenserfahrung als Frau, den Hintergrund. Als Ausgangsmaterial für ihre plastischen Arbeiten dient Papier. In Flüssigkeiten getränkt und geschichtet, vermag es die haptischen Qualitäten, die Fragilität und Verletzlichkeit von Haut zu transportieren. Mit diesem Werkstoff gestaltet die Künstlerin „Leibhautkleider“, „Körperschalen“ und „Mumis“. Die Entwicklungen im Bereich der Molekularbiologie, allen voran das erstmals erfolgreiche Klonen eines Säugetieres im Jahr 1996, führte die Künstlerin zur Beschäftigung mit der möglichen Einflussnahme auf die natürlichen Abläufe des menschlichen Lebens. Aldous Huxleys Roman „Schöne neue Welt“ aus den 1930er Jahren, in dem die Züchtung und Manipulation von Menschen als düstere Vision in Aussicht gestellt wird, wurde schließlich zum Impuls für eine künstlerische Aufarbeitung und der Entstehung von Fruchtblasen. In der Installation „Zucht“ in der Burgkapelle setzt Marlies Liekfeld-Rapetti die plexigläsernen Gebilde mit anderen Werkgruppen in Verbindung und dringt so noch tiefer in die Thematik ein.


 2009
 

Katalin Deér. Gottes Haus, Installation in der Burgkapelle MMKK, 2009

01.10.2009 - 31.01.2010:

Katalin Deér. Gottes Haus
Gottes Haus ist eine raumbezogenen Installation der Bildhauerin Katalin Deér. Die aus Palo Alto, USA, stammende Künstlerin lebt heute in der Schweiz. Ihre Arbeiten, die stets an der Schnittstelle zwischen Fotografie und Bildhauerei angesiedelt sind, stellen eine ideale, dialogische Erweiterung der Fotoausstellung im MMKK dar.

Ausschnitt aus: Dragoljub Raša Todosijević: Fuxus Piano - You will never play again, 2009, Kunstraum Burgkapelle MMKK

03.07.2009 - 13.09.2009:

On Normality. Kunst aus Serbien 1989-2001
Dragoljub Raša Todosijević: Fuxus Piano - You will never play again, 2009, Kunstraum Burgkapelle MMKK

Ausstellungsansicht, Detail: Markus Orsini-Rosenberg, Simulakrum, Burgkapelle MMKK, 2009

21.03.2009 - 14.06.2009:

Markus Orsini-Rosenberg. Simulakrum
Der in Wien und in Damtschach lebende Künstler Markus Orsini-Rosenberg (Jg. 1961) stellt in seiner Malerei Natur als eine Metapher der Innerlichkeit zur Disposition. Unter dem Titel "Simulakrum"hat er eine Installation mit Landschaftsbildern geschaffen, in deren räumlicher Inszenierung er die historisch illusionistischen Fresken von Josef Ferdinand Fromiller ausblendet. Mit der Verhüllung dieses großformatigen Freskos in der Apsis des ehemaligen barocken Kirchenraums verweist der Künstler die historische Repräsentationsikonographie in ihre Schranken. Er konstituiert den historischen Raum neu und betont dessen strukturelle Eigenschaften. Die Kapelle erscheint nicht länger als Ort barocker illusionistischer Inszenierung von Macht und Politik, sondern als Ort der verborgenen Erinnerung, an dem die Transformation von Illusion und Täuschung vollzogen wird.


 2008
 

Ausschnitt aus der Installation: Pepo Pichler: Jacob's Nightmare, 2008

28.11.2008 - 15.02.2009:

Pepo Pichler: Jacob's Nightmare
Pepo Pichler (Jahrgang 1948), der zwischen St. Margarethen und San Francisco pendelt, hat eigens für die Burgkapelle die Installation Jacob’s Nightmare konzipiert. In dem ehemals sakralen Kapellenraum inszeniert er sehr eindrucksvoll, unter Bezugnahme auf aktuelle weltpolitische Ereignisse, eine künstlerische Erzählung von der sich selbst generierenden Kraft des Bösen und menschenverachtender Gewalt. Im Unterschied zu der alttestamentarischen Geschichte gewinnt das Böse die Überhand; aus Symbolen der Erkenntnis und Einsicht werden Mordinstrumente, die eine Fortsetzung von Krieg und Gewalt festschreiben. Nonchalant setzt Pepo Pichler in die religiöse Ikonografie der Kapelle den „Geburtentisch“, auf dem sich der Prozess der Verwandlung vollzieht. Der Stein, mit dem einst Kain seinen Bruder Abel erschlug, transformiert sich in eine moderne Handfeuerwaffe. Die Leiter, die einst Jakob im Traum erschien, generiert nicht Erkenntnis, sondern Gewalt in Form von Handgranaten und Maschinengewehren. Der Reliquienschrein steht als eine glänzende, spiegelnde Verherrlichung der Todesmaschinerie Krieg, die als Trophäe einen „Bodybag“ in sich birgt, ein Leichentuch, das jeder Soldat in seinem Rucksack trägt.

Johannes Domenig, The Last Support, 2008; Burgkapelle MMKK

07.07.2008 - 02.11.2008:

Kunstraum Burgkapelle: Johannes Domenig: The last Support
Die künstlerische Arbeit von Johannes Domenig kreist um die Auseinandersetzung mit dem Menschenbild und der menschlichen Existenz an sich. Ohne dabei den Menschen selbst abzubilden, fließen die Dinge des Lebens, die in der Alltags- und Konsumwelt auf seine Existenz verweisen, in das bildhauerische Oeuvre ein. Damit findet auch die Beschäftigung mit der dem Menschen eigenen Spiritualität Eingang im Werk des Künstlers. Die Arbeit "The last support" verweist auf die biblische Szene des Letzten Abendmahls und transformiert das Geschehen ins Jetzt. Durch Domenigs sensiblen Umgang mit dem Material (in diesem Fall durchwegs Plastik), seiner Form und Funktion werden globale Themen wie die Ernährungsproblematik und damit verbunden der Umgang mit Ressourcen, Seuchen, Krankheit und Tod angesprochen. Neben dem Verweis auf Genuss und Überfluss "liegt ein schwermütiger Toch über der Arbeit, aber auch Ironie", so Johannes Domenig. " Doch vielleicht ist gerade sie als Hoffnungsträger zu verstehen."

Ausschnitt aus: Deborah Sengl, Der Wolf - als Räuber..., 2005, Sammlung der Kulturabteilung der Stadt Wien, Museum auf Abruf (MUSA)

08.02.2008 - 30.03.2008:

Deborah Sengl. Von Schafen und Wölfen
Installation in der Burgkapelle des MMKK. Deborah Sengl beschäftigt sich intensiv mit dem Gegensatzpaar Opfer/Täter, bringt es in Verbindung mit Verhaltensforschung und Gentechnologie und nutzt die kulturellen Zuschreibungen und Bedeutungen von Tieren und Menschen. In ihrer Kunst dekliniert sie akribisch und kritisch-provokant die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten durch, die sich durch die Verquickung der unterschiedlichen Elemente ergeben. Das Schaf und der Wolf stehen ihr hierfür immer wieder Modell.


 2007
 

bella ban, traum. ein raumbild, 2007

25.10.2007 - 20.01.2008:

bella ban traum. ein raumbild
bella ban (geb. 1958 in Klagenfurt) geht mit ihrer Installation direkt auf den Raum der Burgkapelle ein, verwandelt ihn in ein dreidimensionales Bild, einen emotional höchst aufgeladenen Raum, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart, spielerische Leichtigkeit und tiefer Schmerz, Glanz und Gewalt verbinden. Als "ästhetische Puristin" ist bella ban die Übereinstimmung von Form und Inhalt bzw. Thema und Material ein besonderes Anliegen. In traum. ein raumbild arbeitet sie mit Glas, einem Material, das die Fähigkeit besitzt, Physisches abzuhalten und gleichzeitig Licht und Blicke durchzulassen. Sie setzt es metaphorisch wie architektonisch ein.

Gudrun Kampl, Tod in Samt, Installation in der Burgkapelle, 2007

22.06.2007 - 07.10.2007:

Gudrun Kampl Tod in Samt
Gudrun Kampl (geb. 1964) nimmt in ihrer Raumintervention Bezug auf den ehemals sakralen Ort, die Burgkapelle, und setzt sich in ihrer barock anmutenden und sehr samtigen und sinnlichen Installation mit Leben und Tod auseinander. „Wenn man über den Tod nachdenkt, musst du das Leben miteinbeziehen“. Es sind die wenigen Augenblicke der wahren Begegnung, die das Leben ausmachen und die vor der Schwelle des Todes ästhetische Dimensionen erleben lassen. Kampls Objekte erzählen von Anfang und Ende, von Auflösung und Wiederkehr.

Ausschnitt aus: Berlinde de Bruyckere, Schmerzensmann V, 2006

23.03.2007 - 20.05.2007:

Berlinde De Bruyckere, Der Schmerzensmann
Die international renommierte belgische Künstlerin, Berlinde de Bruyckere, Jahrgang 1964, bespielt mit einem überlebensgroßen Schmerzensmann die Burgkapelle. Die Künstlerin versteht es, traditionelle sakrale Themen in eine zeitgenössische, oft fragmentarische Formensprache höchster Eindringlichkeit zu übertragen. Der Schmerzensmann als ikonographische Skulptur reicht bis ins Mittealter zurück. Im Ambiente der barocken Burgkapelle entfaltet diese Skulptur eine außerordentliche Wirkung.


 2005
 

Ausschnitt aus: Chiharu Shiota, during sleep, 2005

20.10.2005 - 22.01.2006:

Chiharu Shiota "during sleep"
Chiharu Shiota wurde 1972 in Osaka geboren. Ihre künstlerische Ausbildung begann sie in Kyoto, in der Folge hat Shiota einige Zeit in Australien verbracht, bevor sie 1996 nach Deutschland ging, um bei Marina Abramovic zu studieren. Der ursprünglich sakrale Raum der Burgkapelle stellt den Rahmen für die Installation During Sleep von Chiharu Shiota dar. Raumfüllende Verspannungen, in denen kokonartig eingesponnen ein Krankenhausbett platziert ist, entfalten sich wirksam in den Kräftefeldern des historischen Raumes und füllen die Kapelle zur Gänze aus. In der raumgreifenden Verspannung in der Burgkapelle werden Raum- und Zeitgrenzen miteinander verstrickt. Die historische, barocke, illusionistisch dargestellte Apotheose des heiligen Domitian und die dargestellten Heiligenfiguren erfahren eine Verschleierung durch das gegenwärtige Netz. Das Bett steht im Zentrum des Raumes, verschiebt die bis dato wirksame Ikonographie des Raumes und lässt den Ort mit seiner barocken Freskierung zu einer traumhaften, nur noch schemenhaft zu erkennende Erscheinung werden, die sich hinter den Verspannungen abzeichnet. Von Shiotas Arbeit geht eine bemerkenswerte Kraft aus. Energetischen Feldern gleich bildet das Geflecht aus den gewissermaßen leitenden, ja fast schwingenden Fäden Schilde unterschiedlicher Intensität. Zeit bleibt stehen. In dieser zeitlosen Verstrickung fungiert das Bett als Synonym für Traum, evoziert das Gefühl der Bedrohung und Beengtheit eines Gefängnisses, hinterlässt Erinnerungen an Unterdrückungen von Kirche und Glauben, - an Gefühle, in denen man sich als Individuum über alle Zeiten hinweg verfängt.

Detail aus: Georg Herold, Hose runter (Mythologisch V), 1984

17.06.2005 - 28.08.2005:

Georg Herold
Erstmals in Österreich zeigt das MMKK die erste umfassende Retrospektive von Georg Herold. Herold, geb. 1947 in Jena, zählt zu den erfolgreichsten deutschen Künstlern der letzten zwei Jahrzehnte. In seinen Werken besticht er durch seine individuelle und originelle Kunstpraxis, in der er sich auch kritisch und humorvoll mit den Mechanismen des Kunstsystems auseinandersetzt. Die in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler erarbeitete Werkschau bietet erstmalig einen Überblick über das Heroldsche Oeuvre, gezeigt werden mehr als 70 Arbeiten aus den letzten zwanzig Jahren. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher, reich illustrierter Katalog, der einen umfassenden Überblick über das Gesamtkunstwerk gibt. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden und dem Kunstverein Hannover.


Museum Moderner Kunst Kärnten • Burggasse 8 • 9020 Klagenfurt, Austria • ++43(0)50.536.34112 • office.museum@ktn.gv.at