Michael Kos 71 - MEMORY BOX



Michael Kos ist 1963 in Villach geboren und hat von 1986 bis 1991 in Wien an der Universität für angewandte Kunst bei Peter Weibel studiert. Heute lebt und arbeitet der Künstler in Wien und Retz in Niederösterreich.


Michael Kos führt in seinem Œuvre Fragestellungen von Kunst, Politik, Gesellschaft, Religion, Wirtschaft und Moral zusammen. Seine künstlerische Intention ist eine aufklärend-kritische. Immer wieder werden auf der Basis eines politischen Subtextes Aspekte der sozialen Wirklichkeit analysiert. Der künstlerische Gestaltungswille folgt einer konzeptuellen bildhauerischen Praxis. Das Plastische, das Konstruieren und Bauen, Material und Raum sind zentrale Kategorien der Arbeit. Dabei sind die künstlerischen Handlungen oft knapp gesetzt, und die Methoden sind unspektakulär und einfach. Die Aussage bedarf keiner komplizierten, vielmehr einer prägnanten Gestalt. Von dieser Praxis ist auch die Arbeit in der Burgkapelle geleitet.


Mithilfe eines minimalistischen Vokabulars und sprachlicher Zeichen, entsteht ein nüchterner, weißer, geometrischer Raum im Raum, der den Opfern der Flüchtlingstragödie, die sich im August 2015 bei Parndorf im Burgenland ereignet hat, gewidmet ist. Als 71 Menschen aus Syrien, dem Irak und Iran in einem versperrten Kühllastwagen, auf dem Weg nach Österreich, qualvoll erstickt sind. Michael Kos schafft eine Installation, die nicht nur eine immer noch unbewältigte, dringlich-virulente Problematik in Erinnerung ruft, die in Zeiten der Pandemie etwas aus dem gesellschaftspolitischen Fokus geraten ist, sondern die zugleich, als künstlerische Installation in der ehemaligen barocken Kapelle – in der Konfrontation mit den situativen räumlichen Verhältnissen wie inhaltlichen Bestimmungen des christlichen Sakralraums – zu einem Objekt vielfältiger Reflexionen wird.




Christine Wetzlinger-Grundnig







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