BILDER EINER LANDSCHAFT.
WOBRAZE KRAJINY. WOBRAZY KRAJINY. PODOBE POKRAJINE


Die Raumtexte dienen nur zu Ihrer Information und dürfen nicht weiterverwendet werden!




Raum 4

MELITTA MOSCHIK (AT)




MELITTA MOSCHIK, GLOBE FACES01-06, 2019, Stahl lackiert, CNC-Stanzung, Alu-Rahmen, 6-teilig, 240 x 180 x 2,5 cm © Melitta Moschik

MELITTA MOSCHIK, GLOBE FACE01, 2019, Stahl lackiert, CNC-Stanzung, Alu-Rahmen, 60 x 60 x 2,5 cm © Melitta Moschik

MELITTA MOSCHIK, OUTER SPACE01, 2013, Stahl lackiert, CNC-Stanzung, Alu-Rahmen, 120 x 120 x 2,5 cm DESTINATION NYC, 2013 / DESTINATION TR34, 2013, Stahl lackiert, CNC-Stanzung, Alu-Rahmen, à 120 x 160 x 2,5 cm © Melitta Moschik


Melitta Moschik greift wissenschaftliche, soziokulturelle und mediale Phänomene auf und behandelt Fragen der Wahrnehmung und Repräsentation von Wirklichkeit, die sie unter konstruktiven Gestaltungsprinzipien in computergenerierte, industriell gefertigte Werke in technoider Ästhetik umsetzt. In den vorliegenden Arbeiten beschäftigt sich die Künstlerin mit den heutigen Verfahren der bildlichen Darstellung der Welt.

Das Bild der Landschaft spiegelt den Blickwinkel, aus dem wir die Welt betrachten, und konstruiert die Wirklichkeit als Wahrnehmungseinheit im Rahmen der zeitgenössischen Möglichkeiten und Anforderungen. Der digitale Fortschritt hat die Sicht auf die Welt verändert. Die kartografische Erfassung der Erde, die im 20. Jahrhundert durch elektronische Neuerungen revolutioniert wurde, wird heute mittels Luft- und Satellitenaufnahmen vorgenommen; analoge Auswertungsverfahren wurden von digitalen Sensoren abgelöst. Das GPS gewährleistet präzise Standortangaben, die Referenzpunkte zur Positionsbestimmung liegen nicht mehr auf der Erde, sondern im All. Die Digitalisierung erlaubt einen neuen Umgang mit kartografischem Material und ermöglicht eine Vielfalt von unterschiedlichen Beobachtungen der Erde. Melitta Moschik bedient sich digitaler Ansichten von Google Earth, um analoge Anschauungsmodelle zu bauen. GLOBE FACES zeigt sechs Bilder der Erde, vom Nullmeridian ausgehend und entlang des Äquators um jeweils 90° gedreht, die in die Fläche projiziert sind – in Referenz an die Mercator-Projektion, einer winkeltreuen Abbildung der Erdoberfläche aus dem 15. Jahrhundert, die bis zur Erfindung des GPS für die Navigation in See- und Luftfahrt unverzichtbar war.

Die laterale Abwicklung vermittelt in multiplen Perspektiven die Kontinente, rekonstruiert die Vorstellung von Welt und relativiert bekannte Bilder. Die Motive sind in Punktrastern – auf die digitalen Bilddaten Bezug nehmend – mittels CNC-Technik in Stahl gestanzt. Die reliefartige

Flächenstruktur evoziert Assoziationen zu Landschaftlichem, zu Luftbildaufnahmen von terrestrischen Oberflächen. OUTER SPACE bildet die digitale Satellitenansicht der Erdkugel in gestanzter Form ab. Das Rasterbild fokussiert den Blick auf spezifische Kontinente und deutet

geopolitische Schauplätze sowie Aspekte territorialer Kontrolle an. Der multiperspektivische Blick macht die Welt als globales Beziehungsnetzwerk lesbar.


© Christine Wetzlinger-Grundnig



MARKO PELJHAN (SI)



MARKO PELJHAN, KRK-erster Tag zum Konzept Makrolab, 2019 Farbfotografien auf Alu-Dibond © Marko Peljhan


Marko Peljhan nimmt mit einer neuen Fotoserie, die sich an das Projekt »Krk – erster Text zum Konzept Makrolab« (1994) bindet, an der Ausstellung teil. Seine Aktualität gewinnt das Werk, das vor einem Vierteljahrhundert entstand, durch die Frage, die im Text formuliert wird: »Was können wir erwarten, wir, die Schöpfer zukünftiger Landschaften?« Diese Frage stellt Peljhan in jenem entscheidenden Augenblick, als er auf der »Mondlandschaft« der Insel Krk wandelt und ein entfernter Explosionsknall den Krieg ins Bewusstsein ruft, der im ehemaligen Jugoslawien tobt und zugleich die Gewissheit birgt, dass eine Epoche und eine Historie zu Ende geht.


Peljhans damaliger Text changiert in einer bestimmten Art, vom Poetischen zum Darstellenden, und fordert die Notwendigkeit einer utopischen Erwägung. Die Fotografien der »Mondlandschaft« auf Krk verursachen ein Gefühl der Entfremdung und der Spannung zu etwas, das uns bekannt erscheint, und jenem, das uns fremd bleibt und zugleich in unser Bewusstsein und Blickfeld dringt. Aufgrund des Vorliegenden entwickelt Peljhan eine Vorstellung, die er in der Zukunft sowohl mit Hilfe eines gesellschaftlichen als auch physischen Umfelds verfolgt, wo es möglich ist, Utopien zu denken und zu formulieren, denn, so Peljhan, »... die Ritualisierung von utopischen Bedingungen und Formen sowie deren Projektion in eine reale Zeit/einen realen Raum führt zur gesellschaftlichen Entwicklung in der unmittelbaren Umgebung«.


© Andreja Hribernik





Raum 4, Werke von Melitta Moschik (AT) und Marko Peljhan (SI), Ausstellungsansicht "Bilder einer Landschaft", MMKK 2020, Foto: CWG

Museum Moderner Kunst Kärnten • Burggasse 8 • 9020 Klagenfurt, Austria • ++43(0)50.536.34112 • office.museum@ktn.gv.at