BILDER EINER LANDSCHAFT.
WOBRAZE KRAJINY. WOBRAZY KRAJINY. PODOBE POKRAJINE


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Raum 1


MARKO LIPUŠ (AT)



MARKO LIPUŠ, ORT/PLACE 1, 2015 C-print, 90 x 150 cm, © Marko Lipuš

MARKO LIPUŠ, ORT/PLACE 3, 2015 C-print, 90 x 150 cm, © Marko Lipuš

MARKO LIPUŠ, ORT/PLACE 5, 2015 C-print, 90 x 150 cm, © Marko Lipuš

MARKO LIPUŠ, Skin 8/Haut 8 (2014), 60x90 cm, Unique copy, C-Print on alluminium plate - scratched, © Marko Lipuš

MARKO LIPUŠ, Skin 9/Haut 9 (2014), 60x90 cm, Unique copy, C-Print on alluminium plate - scratched, © Marko Lipuš


Für das Fotoprojekt »Babica«, auf Deutsch Großmutter, begab sich Marko Lipuš auf Spurensuche nach seiner Großmutter Maria Lipuš, geboren 1908 als Maria Karničar im zweisprachigen Kärntner Grenzgebiet zu Slowenien, die 1945 im KZ Ravensbrück ermordet wurde.


Ravensbrück war das zentrale Frauenkonzentrationslager in der Zeit des Nationalsozialismus, in das auch die Kärntner Sloweninnen deportiert wurden. 80 Prozent aller aus Kärnten stammenden politischen Häftlinge dort waren Kärntner Sloweninnen. Maria Lipuš wurde 1943 vor den Augen ihrer zwei Söhne Florjan und Franz verhaftet, nachdem sie Männer der Gestapo, die als Partisanen verkleidet waren, bewirtet hatte. Eine einzige Fotografie existiert noch von ihr, die sie mit ihrem Mann zeigt. Marko Lipuš kennt seine Großmutter lediglich von diesem einen Foto und von den Erzählungen seines Vaters, dem Schriftsteller Florjan Lipuš.


Das Fotoprojekt gliedert sich in mehrere Teile:

Detailaufnahmen der Gebäude des ehemaligen Konzentrationslagers, dort gefundene Alltagsgegenstände wie Bürsten, Trinkbecher oder Kämme, die Marko Lipuš in den Mittelpunkt rückt, Großaufnahmen der Haut seines Vaters, die er mit Kratzungen nahezu unkenntlich macht, und kaum zu erkennende Aufnahmen der Umgebung. Die Totalaufnahmen der heutigen Gedenkstätte in der Serie »Babica – Ort« verblassen nahezu bis zur Unkenntlichkeit, wie eine Erinnerung, die immer mehr verloren geht. Die Fotografien der Umgebung von Ravensbrück erscheinen leuchtend weiß, erst beim genauen Hinsehen lassen sich die Konturen und Strukturen der Gebäude nachzeichnen. Beim Gedenkprojekt »Babica – Haut« bindet er auch seinen Vater ein, kratzt sozusagen an dessen Haut und damit auch an dessen Lebensgeschichte. Marko Lipuš manipuliert in den meisten seiner Fotografien die Negative, ritzt in sie hinein, kratzt somit an der Tradition der Fotografie und entwickelt dadurch eine spezifische Fotosprache. Er verwendet bei Babica die Fotografie nicht dokumentarisch, sondern begibt sich in der sensiblen Aufarbeitung des Themas mittels seiner experimentellen Fotografie auf eine sehr persönliche Spurensuche nach seiner ermordeten Großmutter, wobei ihre Geschichte stellvertretend für alle inhaftierten Frauen steht.

© Nora Leitgeb




NIKA AUTOR (SI)



NIKA AUTOR, Draht, 2019, Polaroidfoto, © Nika Autor

NIKA AUTOR, Draht, 2019, Polaroidfoto, © Nika Autor

NIKA AUTOR, Draht, 2019, Polaroidfoto, © Nika Autor


Nika Autor untersucht im gegenwärtigen Projekt mittels Fotografie das Thema Draht als Symbol, mit welchem sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart politische Macht ausgeübt wurde. 2002 publizierte der französische Philosoph Oliver Razac das Buch »Die politische Geschichte des Stacheldrahts«, das drei bedeutsame Ereignisse in der Geschichte behandelt, in denen der Stacheldraht als politisches Instrument eine entscheidende Rolle in der räumlichen Grenzziehung spielte und somit drei Schlüsselkatastrophen der modernen Geschichte determinierte. In den USA spielte er eine entscheidende Rolle beim Völkermord der Ureinwohner, im Ersten Weltkrieg bei der Ausstattung von Schützengräben, im Zweiten Weltkrieg als KZ-Einzäunung. Damit ist seine Geschichte jedoch nicht beendet. Den drei Ereignissen des Studienprojektes wird ein viertes zum Bedenken hinzugefügt. In der Gegenwart bekommt der Stacheldraht eine neue Gestalt und eine schärfere Dimension in Form von Klingendraht. Nach wie vor ist er als Einzäunung von staatlichen Institutionen, Gefängnissen, Fabriken und Elite-Siedlungen weitverbreitet, in den letzten Jahren auch als Einzäunung der Schengen-Grenze.

Das Medium der Fotografie dient dem visuellen Nachdenken darüber, in welchem Ausmaß der an der Grenze errichtete Klingendraht die Natur und Landschaft bestimmt.

©Nika Autor, Andreja Hribernik






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