fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept



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Zorka L-Weiss

(*1946, Klagenfurt, A)


Die Bilder von Zorka L-Weiss sind puristisch, präzise und klar, ohne individuellen Anstrich. Ihre Erscheinung beruht auf der äußersten Reduktion der Bildelemente und auf einem streng rationalen Konstruktionsprinzip. Durch die Reihungen geometrischer Elementarformen entstehen strukturierte Ordnungen. In der Zurücknahme der malerischen Werte sind jede subjektive Gestik und jede Form von Emotion vermieden. Die Farbe wird als selbstständiger konkreter Gestaltungswert begriffen und erscheint flächig, homogen und monochrom.

Das verknappte geometrische Vokabular und die ausgeprägte Regelhaftigkeit verweisen das Werk in ein historisches Spannungsfeld der reinen, proportionalen Verhältnisse Piet Mondrians sowie der kalkulierten Ordnungen der Konkreten Kunst eines Max Bill oder Richard Paul Lohse. Die illusionistischen (Vibrations-)Experimente deuten auf die malerische Op Art einer Bridget Riley, die jüngste Tendenz zum (Bild-)Objekt zitiert Prinzipien von Minimal und Hard Edge.

Dennoch ist für Zorka L-Weiss die reale Gegenstandswelt, die wechselnde Erscheinungsform der Natur, der Ausgangspunkt. Das Gesehene wird in bildnerischen Parallelwelten umgesetzt. Diese beruhen auf einem Wirklichkeitsbild, das durch Anschauung und innere Erfahrung zustande kommt. Es geht um die Projektion eines komplexen Wirklichkeitserlebnisses, für das der innere Bezug zur Welt und zu den Dingen wichtig ist. Die Sinneseindrücke werden in Farbäquivalente verwandelt, sie werden in abstrakte geometrische Strukturen geordnet und in formale Beziehungen und Rhythmen übersetzt. Dabei bewahrt die Farbe ihren Charakter und ihre illusionistischen Eigenschaften: die räumlich-flächige Ausdehnung, die Tiefenwirkung, die Korrespondenz- und Kontrastfähigkeit, ihr Ruhe- oder Bewegungspotenzial sowie ihre psychische chromatische Wirkung.

Im bildnerischen Prozess löst sich die Arbeit vom Naturvorbild und von allen inhaltlichen Konnotationen und entwickelt sich zu einer autonomen artifiziellen Gestaltung, die nicht mehr Sinnliches vorführt, sondern ausschließlich werkimmanenten Gesetzen folgt – gleich, ob ein kompliziertes mathematisch-logisches Konstruktionsprinzip zugrunde liegt oder ob der bildarchitektonische Aufbau willkürlichen ästhetischen Entscheidungen folgt, wie in den plastischen Modularsystemen aus einzelnen, selbstständigen chromatischen Feldern. Die Spur zur außerbildlichen Realität kann nur über die Werktitel und indirekt über die Farbe aufgenommen werden. Die Farbe ist jedoch nicht gegenständlich gebunden, sondern es handelt sich um spezifische „Farbklänge“, die in feinen Akzenten die individuelle Gestimmtheit der Künstlerin wiedergeben und zugleich die subjektive Stimmung im Betrachter anklingen lassen.



© Christine Wetzlinger-Grundnig






Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Zorka L-Weiss, Gaber I (Serie: Weiße Bilder/Bele slike), 2009, Acryl und Eitempera auf Leinwand, 3-teilig, 200 x 120 cm, 50 x 20 cm, 20 x 20 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Zorka L-Weiss, Zinnen/Zobci, 1994/95, Öl auf Leinwand, 150 x 200 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller




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