fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept





Werner Hofmeister

(*1951, Klein St. Paul, A)


Der Kärntner Künstler Werner Hofmeister arbeitet seit 1993 an einem umfangreichen Werkkomplex, der inhaltlich bestimmt ist durch die künstlerische Auswertung des „Quelle“-Versandhauskataloges.

Werner Hofmeisters Werk zeichnet sich aus durch die strenge Reduktion der Form und durch den weitgehenden Verzicht auf die individuelle künstlerische Handschrift. Die ästhetischen Qualitäten seiner Objekte bewegen sich im Bereich industriell erzeugter Halbfertigprodukte. Im Vordergrund der künstlerischen Arbeit stehen die Analyse und die Konzeption, die weiteren Schritte sind durch Übersichtlichkeit und Unkompliziertheit gekennzeichnet, die Umsetzung ist von vorneherein einfach angelegt. Es wird Wert gelegt auf die Simplizität der Herstellung, die der Künstler zumeist delegiert: ein Konzept in der Tradition der Minimal und Conceptual Art.

Die „Quelle“ der intensiven und vielfältigen Beschäftigung ist der „Quelle“-Katalog. Er wird nach künstlerischen, historischen, sprachwissenschaftlichen, wirtschafts- und sozialpolitischen Qualitäten analysiert. Das zentrale Thema der Arbeit ist die Ware – als Bedarfsobjekt, in ihrer komplexen Rolle als Wirtschaftsgut und letztlich in ihrer spezifischen Darstellung als Angebot im Katalog. Der Reflexion über das Verhältnis zu Ware und Konsum gilt die größte Aufmerksamkeit.


Die Serie „Quelle Reinigung“ von 1997 ist ein Resultat aus diesem Werkblock. Sie verkörpert ein Produkt der Transformierung der Ergebnisse der theoretischen Auseinandersetzung in den haptischen, artifiziellen Bereich – es handelt sich sozusagen um die Visualisierung eines Teilstückes des Diskurses durch ein künstlerisches Medium. Das Layout der Katalogseiten ist der Ausgangspunkt des zu besprechenden Werkes. Werner Hofmeister selektiert bestimmte Themenbereiche aus dem Warensortiment des Kataloges und überträgt die Silhouetten der fotografisch vermittelten Gegenstände, hier der Waschmaschinen, unter formaler Vereinfachung in ein anderes Medium: In Laser-Technik werden die Formen der Geräte ihrem Umriss nach aus einem Stahlblech herausgeschnitten, die Restplatte wird oxyd-rot lackiert, sie bildet das greifbare Ergebnis des künstlerischen Prozesses. In ihm ist der Ausgangsgegenstand nun nur noch schematisch zu erkennen, die Ware selbst ist als solche nicht mehr fassbar. Was bleibt ist eine Ausnehmung im Blech, eine abstrakte Form. Der Inhalt ist getilgt, er entzieht sich dem Zugriff. Der Ort der Ware präsentiert sich als virtueller Ort, der geistig aufgeladen und mit Interpretation gefüllt werden kann.


© Christine Wetzlinger-Grundnig





Werner Hofmeister, Quelle Reinigung, 1997, Laserschnitt in Eisenplatte oxidrot lackiert, 5-teilig, je 82 x 66,5 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Werner Hofmeister, Quelle-Stapel, 1996, Grauguss, 141 x 137 x 22 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Werner Hofmeister, Durchgang, 1990/91, Eisen, 98 x 77 x 306 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Werner Hofmeister, Wo kommen die Stimmen her, 1989, Steinguss, Blattgold, 36 x 100 x 40 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller




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