fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept





Werner Feiersinger

(*1966, Brixlegg, A)


Werner Feiersingers Interesse gilt, sowohl im Bereich der Fotografie als auch im Bereich der Plastik, dem Ausloten der Möglichkeiten des Skulpturalen. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Größen und Tendenzen der modernen Architektur des 20. Jahrhunderts, wie Le Corbusier oder der italienischen Nachkriegsmoderne, sowie mit den neuen Kunstströmungen im Bereich der Plastik der 1960er-Jahre, allen voran der amerikanischen Minimal Art und der Arte Povera in Italien, liefert ihm die Basis für seine künstlerische Arbeit. In seinem plastischen Œuvre greift der Künstler Fragen auf, die er hiervon ableitet – Fragen nach dem Umgang mit Raum, Volumina und Größenverhältnissen, nach industrieller versus handwerklicher Fertigung, nach Singularität versus Serialität, Objektivität versus Subjektivität, nach Material, Farbe und Oberflächengestaltung. Es scheint fast, als würde er die Intentionen und Errungenschaften der historischen Kunstströmungen innerhalb der Plastik verbinden und in einem neuen Zusammenhang prüfen und weiterführen. Seine geometrisch-reduzierten, zeichenhaften Objekte scheinen Zuordnungen zu verlangen und sich diesen aber gleichzeitig zu entziehen. Sie behaupten sich als autonome, der Gegenstandswelt enthobene abstrakte Werke im Raum, erinnern aber gleichzeitig an alltägliche Gegenstände und/oder geben vor, eine Funktion zu erfüllen. Ihre zurückhaltende, oft nur aus einem einfarbigen Grundierungsanstrich bestehende Farbigkeit, gibt ihnen den Anschein, noch nicht ganz fertig zu sein beziehungsweise verstärkt ihren Modellcharakter und unterstreicht ihre Offenheit bezüglich der Interpretation.


Für die ausgestellte mit schwarzer Grundierungsfarbe gefasste Bodenplastik aus dem Jahr 2004 ist die Auseinandersetzung mit der Architektur der Hutfabrik in Luckenwalde/Brandenburg von Erich Mendelsohn, die 1921–23 erbaut wurde und als eine Inkunabel der modernen Industriearchitektur bezeichnet wird, wichtiger Impuls. Feiersingers Plastik scheint formal an die fortschrittliche Trägerkonstruktion des Daches der Färbereihalle angelehnt, sie isoliert und überträgt die Monumentalität eines ihrer Pfeilerbögen auf ein kleines frei und stabil im Raum stehendes Objekt. Dieses erinnert zugleich an den eckigen Kotflügel eines Traktors oder an Torstangen. Mit den beiden identen Seitenteilen nimmt es die häufig in Feiersingers Objekten thematisierte Verdoppelungsmetaphorik auf. Die Seitenteile scheinen sich frontal gegenüberzustehen. Das Mittelelement bildet eine Klammer zwischen ihnen, die sie zusammen- oder auseinanderhält und ein Spannungsfeld zwischen ihnen erzeugt. Oder stehen sie doch nebeneinander? Die Plastik ist ein schönes Beispiel für die feine Balance, in die der Künstler seine Objekte setzt, um ihre Mehrdeutigkeit zu veranschaulichen.


© Magdalena Felice




Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F .Neumüller

Werner Feiersinger, o. T., 2004, Stahl grundiert, 51 x 70 x 60 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: C. Zimmermann




feiersinger_187.jpg

Museum Moderner Kunst Kärnten • Burggasse 8 • 9020 Klagenfurt, Austria • ++43(0)50.536.34112 • office.museum@ktn.gv.at