fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept


 



Uwe Bressnik

(*1961, Villach, A)


Uwe Bressnik setzt sich in seinen transparenten Bildobjekten mit der Veränderung der visuellen Wahrnehmung durch digitale Bilderfindungen, die die Erstellung wie die Rezeption von Bildern beeinflusst hat, auseinander. Zur Diskussion steht der Konflikt zwischen dem Realen und dem Virtuellen. Um diese Auseinandersetzung zu führen, nutzt der Künstler nicht die zeitgenössisch-modernen Medien, sondern greift auf herkömmliche bildnerische Mittel zurück, mit denen er Qualitäten digitaler Bilder zur Anschauung bringt. Er bedient sich des klassischen Rahmens, der mit Gardinenstoffen bespannt wird. Der Künstler legt Schichten des Gewebes, dem ein regelmäßiges orthogonales Rastermuster zugrunde liegt, übereinander. Die Raster-Überschneidungen führen zu einem Moiré-Effekt, der das Flimmern einer Bildschirmoberfläche simuliert. Die Bildfläche wird perzeptiv dynamisiert – ein malerischer Effekt abseits der Malerei entsteht. Es gelingt, anhand einfacher haptischer Materialien optische Phänomene zu erzeugen, die den Erscheinungen moderner elektronischer Medien gleichen. Auf diese Weise verbindet der Künstler die Errungenschaften der geometrisch-abstrakten Tradition, von Konstruktivismus bis Op Art, und stellt sie in einen mediendiskursiven, konzeptuellen Kontext.


Das Werk „Rot / Gelb / Blau“ besteht aus drei Tafeln. Jede wurde mit drei Lagen eines durchsichtigen Gaze-Gewebes in den Farben Rot, Gelb und Blau bespannt. Aus dem roten Stoff ist das Wort ROT, aus dem gelben GELB und aus dem blauen die entsprechende Bezeichnung BLAU ausgeschnitten. Die Teile sind in drei verschiedenen Varianten auf den Tafeln so übereinandergelegt, dass jeweils eines der drei Worte einmal zuoberst zu liegen kommt. Jede der drei Tafeln zeigt farblich und formal ein anderes Bild. Der Blick fällt durch die ausgeschnittenen Buchstaben der ersten Schicht auf die darunter zum Vorschein kommenden Gewebebahnen, die durch die Überlagerung des transparenten Materials, durch die optische Verbindung der Farben, neue Töne erzeugen. Als weiterer Effekt entsteht, aufgrund der Überblendungen der verschiedenen typografischen Formen, jeweils eine neue formale Gestalt auf den einzelnen Tafeln. Mitunter ist die Lesbarkeit durch die Überschneidungen beeinträchtigt (gleich einer Informationsüberflutung), erst in der Analyse werden die Inhalte wieder entschlüsselbar.


Uwe Bressnik entwickelt eine tautologische Arbeit, die auf unterschiedlichen ontologischen Ebenen passiert: Im sprachlichen System decken sich die Semantik der Wörter und die dazugehörige Bezeichnung des spezifischen Farbbegriffes. Der tatsächlich gewählte Farbton des Gaze-Gewebes wiederholt ein drittes Mal, auf der visuell-sinnlichen Ebene, den (gemeinsamen) gleichen Inhalt. Die Bedeutung des Wortes bezieht sich auf die Farbe und diese wiederum erscheint auch visuell.


© Christine Wetzlinger-Grundnig




Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F .Neumüller

Uwe Bressnik, o.T., 1988, Gaze und Acryl auf Holz und Nirosta, 120 x 90 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: MMKK © Bildrecht Wien

Uwe Bressnik, Rot, 1998, Gaze auf Holz, 53 x 191 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: MMKK © Bildrecht Wien

Uwe Bressnik, Gelb, 1998, Gaze auf Holz, 53 x 191 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: MMKK © Bildrecht Wien

Uwe Bressnik, Blau, 1998, Gaze auf Holz, 53 x 191 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: MMKK © Bildrecht Wien




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