fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept


 




Suse Krawagna

(*1964, Klagenfurt, A)


Die Ausgangspunkte von Suse Krawagnas künstlerischem Werk, das sich bereits über drei Jahrzehnte erstreckt, sind architektonische Formen und Elemente. In den späten 1980er- und in den 90er-Jahren entstehen sogenannte „Fensterbilder“, dann sind es auch Treppengeländer, Klettergerüste, Rutschbahnen, Tennisnetze und so weiter, die die Künstlerin inspirieren. Diese realen, (stark) haptischen Körper zeigen nicht nur interessante konkrete Gestalten, sondern bieten auch vielfältige visuelle Phänomene, die sich an ihrer Oberfläche und in ihrer räumlichen Umgebung entwickeln. Die simultan wirkenden unterschiedlichen Eigenschaften von Objekt, optischem Erlebnis und Stimmung, nicht das Ding als solches, werden von der Künstlerin, nach ihrer subjektiven Wahrnehmung, Selektion und Strukturierung, mit den Mitteln der Malerei und Zeichnung in ein zweidimensionales bildnerisches Gefüge transformiert, das letztlich unabhängig vom Ausgangsgegenstand als autonomes abstraktes Konstrukt existiert. Es entstehen Farb-Form-Konstellationen äquivalent zur sichtbaren Wirklichkeit, die jedoch, losgelöst von den realen Vorbildern, ausschließlich bildnerischen Kategorien unterworfen sind.

Die geometrische Form und die Linie an sich sind die zentralen konstruktiven Element eines knappen, mitunter strengen Kompositoriums. Die Farbe kommt hinzu.

Die „Fensterbilder“, wie sie auch in der Kunstsammlung des MMKK vertreten sind, zeichnen sich aus durch ein reduziertes Formvokabular, eine zurückgenommene Farbigkeit – Schwarz, Rot und Blau am weißen Grund –, homogenen Farbauftrag, Klarheit und Prägnanz. Die anfängliche Geschlossenheit der Komposition, die sich bis an die Ränder ausdehnt, löst sich in einer immer stärkeren Zeichenhaftigkeit des Motivs auf, das bald deutlich vor dem (lichten) Fond hervortritt. Die Palette wird bunter und heller, die Stimmung zarter, die Farben – häufig pastellige Töne – werden dünn aufgetragen und erscheinen transluzide, die Schwere weicht lyrischer Leichtigkeit. Der Pinselstrich, der bei Suse Krawagna, wenn auch kultiviert, immer (mehr oder weniger) als solcher erfahrbar ist, wird manchmal durch den Zeichenstift ersetzt, der, in der Fläche angewandt, die grafische Feinnervigkeit bis zur Vibration steigern kann, sodass Atmosphärisches, Auratisches mitschwingt.

Innerhalb von bildnerischen Serien, die sich immer demselben Motiv widmen, werden die abstrakten Konstellationen hinsichtlich ihrer Variabilität befragt, indem die Motive, die sich an ihren jeweiligen direkten Vorgängern orientieren, wiederholt und (geringfügig) verändert werden, sodass sich eine fortschreitende innerbildliche Entwicklung entfaltet, durch die jeder mögliche Bezugspunkt zu einer außerbildlichen Referenz gänzlich ausgeschaltet ist. Zugleich werden die bildkonstruierenden Faktoren – Farbe, Form, Komposition – als selbständige Elemente unterstrichen, die in ihrem Möglichkeitsradius das Werk bestimmen.


© Christine Wetzlinger-Grundnig






Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Suse Krawagna, o. T., 1996, Acryl auf Leinwand, 200 x 144 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Suse Krawagna, o. T., 2013, Acryl und Farbstift auf Leinwand, 200 x 160 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Suse Krawagna, o. T., 2000, Acryl und Pastell auf Leinwand, 160 x 130 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller




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