fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept


 

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Sabina Hörtner

(*1967, Bruck an der Mur, A)


Die beiden Grafiken von Sabina Hörtner waren Teil der Installation „Keine zwei Stunden“, die die Künstlerin im Jahr 2011 in der Burgkapelle des MMKK verwirklicht hat. Im Zentrum der Arbeit stand die Untersuchung des ehemaligen Sakralraumes in all seinen Dimensionen, in seiner konkreten räumlichen Struktur ebenso wie in seinen vielfältigen sozialen, politischen, historischen Definitionen. Es ging um den Raum als ein komplexes kulturelles Gefüge, aber auch um individuelle, persönliche Verhältnisse, um einen subjektiven Bezug. Sabina Hörtner setzte dem barocken Kirchenraum und seiner illusionären Malerei eine zeitgemäße, profane, konkrete Konstruktion entgegen, die in Relation zu den Konnotationen des Raumes stand, sich auf seine Form- und Farbgebung bezog und die, in ihrer reduzierten Strenge und symmetrischen Ordnung, einen deutlichen Gegenpol zur Barockmalerei mit ihrem visionären Inhalt darstellte und diese formal und inhaltlich dechiffrierte und konterkarierte.

Der Ausgangspunkt der Arbeit, die mit den Bezugspunkten von Licht, Farbe und Raum agiert, ist die analytische Raumwahrnehmung der Künstlerin. Inspirierend sind die Bilder, die durch die Reflexionen des durch die hohen Kirchenfenster einfallenden Tageslichtes auf den Wänden des Raumes entstehen und die sich im Verlaufe der Zeit – auf die der Titel „Keine zwei Stunden“ explizit hinweist –, in einem subtilen Lichtspiel, langsam und in feinen Nuancen stetig verändern. Diese flüchtigen Bilder werden, in einer Sequenz von sechs Blättern, in der für die Künstlerin typischen Methode der Handzeichnung, in einem mühevollen, zeitintensiven, akribischen, konzentrierten, systematischen Prozess, mit blauem Tuschestift auf weißes Papier übertragen. Konstruktives Element der Zeichnungen ist die einfache, immer gleiche, gerade Linie, die, in nüchternen, geometrischen Strichkonstellationen angelegt, in parallelen, flächenfüllenden Anordnungen und in räumlichen Überlagerungen, dichte Rastersysteme formiert. Die Linie konzentriert die Zeit- und Raumkomponente, die vierte und dritte Dimension, am zweidimensionalen Blatt und erzeugt eine Illusionsebene, die (bewusst) an changierende Oberflächen zeitgenössischer, virtueller, mediengenerierter Bilder erinnert. Die Zeichnungen sind zugleich Abbild (einer optischen Erscheinung) und Illusion (einer räumlichen Situation). Und sie waren Teil eines übergreifenden räumlichen Konzeptes: dem zeitlichen Verlauf gemäß präsentiert auf einer begehbaren architektonischen Raumbühne, die die Werke sowie die Betrachtenden emporhob, sodass sie der barocken, sakralen Scheinmalerei auf Augenhöhe begegneten und selbst, wie in einem Theatrum mundi, Teil des Geschehens wurden.


© Christine Wetzlinger-Grundnig





Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: C. Zimmermann

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: C. Zimmermann




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