fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept





Rudi Benétik

(*1960, Jaunstein/Podjuna, A)



Rudi Benétik studiert von 1981 bis 1985 an der Akademie der bildenden Künste Ljubljana und besucht in den Jahren 1982 bis 1984 die Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg, wo er unter anderem die Radierklasse von Rudolf Hradil und das Atelier für Plastik von Markus Lüpertz besucht. Wichtige Inspirationsquellen für sein Werk sind die zahlreichen Studienaufenthalte im Ausland (Ägypten, Indien, Mongolei, Libyen, Schweiz, Türkei, Italien, Kroatien, DDR), wo er seinen Blick für die Ursprünglichkeit der Dinge schult, sie aus ihrem Kontext nimmt und zu einer neuen Ordnung zusammenführt. Das langsame Sehen und das Erforschen von Geheimnissen, die die Dinge nach und nach preisgeben, führen zu einer fast asketischen Stille in Benétiks Bildern. In zahlreichen Skizzenbüchern hält er die neu geschauten Eindrücke fest und nimmt diese als Ausgangspunkt für seine Bilder. Durch das Aussparen von allem Überflüssigen sowie die Reduktion der Farbpalette und die auf wenige Formkürzel vereinfachten Zeichen eröffnen die Bilder für den Betrachter einen großen gedanklichen Freiraum. Die Konzentration wird dabei auf das gerichtet, was nicht bis in die Bilder gelangt, alles Laute wird dadurch neutralisiert und der Blick auf den ursprünglichen Klang der Dinge gelegt.


Um die 1990er-Jahre sind es mehrfach konstruktivistische Bildelemente, die im Schaffen des Künstlers auftauchen. Anstelle der Härte, mit der sich konstruktivistische Formen (etwa im Werk von Kasimir Malewitsch) voneinander absetzen, ist bei Benétik eine harmonische farbliche Anpassung zu finden. Formen und Hintergrund sind auf lyrische Weise aufeinander abgestimmt. In der Ausstellung ist ein frühes Werk (1990) des Künstlers zu sehen, das eine streng geometrische Struktur aufweist. Auf einem tiefblauen Grund liegt im unteren Drittel des Bildes eine Kreisscheibe, die durch eine horizontale Linie in einen unteren und oberen Bereich geteilt ist. Der untere Teil, der circa ein Drittel der Scheibe ausmacht, ist fast schwarz, während es im oberen helleren blauen Teil zu einer mehrfachen vertikalen Durchschneidung des Kreises kommt. So ergeben sich gleichmäßige vertikale Farbstreifen. Die Streifen scheinen sich in Schwingung miteinander zu befinden und stellen im Gegensatz zum unteren dunklen Abschnitt den aktiven Teil der Form dar. Der schwarze Anteil des Kreises fungiert als Basis, er sammelt und vertieft die visuellen Informationen und klanghaften Vibrationen des oberen Bereiches. Die Kreisform, umfangen vom weiten blauen Hintergrund, scheint sich in der Doppelbewegung gleichzeitig aus diesem heraus und in diesen hinein zu bewegen. Dabei strahlt das Werk eine große Stille bei gleichzeitig beruhigter Konzentration aus, was durch die Wirkung der Farbe Blau, die in Ferne und Unendlichkeit führt, noch verstärkt wird.


© Sonja Traar




Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F .Neumüller

Rudi Benétik, 02. Mai, 1990, Acryl und Ölkreide auf Baumwolle, 40 x 50 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: MMKK




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