fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept





Roland Kollnitz

(*1972, Klagenfurt, A)


Roland Kollnitz, der nach seinem Studium der Bildhauerei an der Hochschule für angewandte Kunst Wien einige Jahre im Atelier von Franz West arbeitete, ist seit 2001 an der Akademie der bildenden Künste Wien im Fachbereich Textuelle Bildhauerei unter der Leitung von Heimo Zobernig tätig – mittlerweile als Dozent. Im Sinne eines erweiterten Skulpturenbegriffs zeigt sich bei seinen Installationen, Skulpturen, Videos und Fotoarbeiten eine konsequente Auseinandersetzung mit dem Material selbst, dem Umraum (innen oder außen) und der Beziehungsebene zum Gegenüber, die sich nicht nur in minimalen und konzeptuellen Tendenzen äußert, sondern situationsgebunden auch performative Elemente beinhaltet. Rainer Fuchs betont in diesem Sinne auch das Wechselspiel zwischen den Skulpturen von Roland Kollnitz und der Architektur sowie die kritische und präzise Beobachtungsgabe der Orte und Räume, auf die sich die zum Teil medienübergreifenden Werke des Künstlers beziehen und die er gewissermaßen architektonisch korrigiert und optimiert. So verbesserte er im Rahmen von Ausstellungen die Beleuchtungssituation, korrigierte Farben oder griff in Boden- oder Wandstrukturierungen ein. 1999 schon wandelte er im Künstlerhaus Klagenfurt nicht nur die Abdeckung der Fußbodenheizung im Ausstellungsraum in eine Sitzbank um, sondern er änderte den Schriftzug an der Fassade des Hauses: Das „für“ in der Bezeichnung „Kunstverein für Kärnten“ strich er durch, eine Intervention, die auch im Anschluss an die Ausstellung nicht mehr rückgängig gemacht wurde, denn „Kunst entsteht nicht für etwas (ein Land), oder jemanden.“

Die Skulpturen von Roland Kollnitz wecken Assoziationen zu Gegenständen, die man aus dem Alltag zu kennen glaubt. Jedoch entziehen sie sich – wie „Luxuriös mit ohne Titel“, zwei teilweise polierte runde und mit einer über einen Meter hohen Stange verbundene Edelstahlplatten, oder „Kleines Arrangement #2“, fünf pulverbeschichtete und teilweise polierte über zwei Meter hohe aneinander montierte Aluminiumstangen, zeigen – einer endgültigen Zuschreibung. Auch die zum Teil ironischen Titel verwirren mehr, als dass sie klären, aber die Irritation lässt andere, neue Blickwinkel zu. Im Vordergrund steht dementsprechend ein bedachter Umgang mit unterschiedlichen, oftmals industriellen Materialien, ein Austarieren von Schwebe- und Gleichgewichtszuständen und eine konsequente Befragung des herkömmlichen Skulpturenbegriffs.


© Nora Leitgeb






Roland Kollnitz, Kleines Arrangement #2, 2008, Stahlplatte, 5 Aluminiumstangen pulverbeschichtet und teilweise poliert, Magnete, Holz, 222 x 39 x 53, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller




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