fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept




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Reinfried WAGNER
(*1943, Klagenfurt, A)


Von Reinfried Wagner sind frühe Werke in der Ausstellung zu sehen, die nach der Rückkehr von seinem achtjährigen Parisaufenthalt (bis 1971) entstanden sind. Prägend für sein Schaffen ist die zufällige Begegnung mit Max Ernst in Paris, der ihn anfänglich als Theaterdekorateur einsetzt, bevor Wagner seinen eigenen Weg findet und zwischen 1968 und 1971 bereits dreimal in Paris sowie in London und Stockholm ausstellt. In Klagenfurt sind seine Werke erstmals 1971 in der Galerie Makon zu sehen.

Wagners Bilder von 1971 und 1974, die Elemente der Op Art aufweisen, sind von geometrischen Grundformen geprägt, wobei runde, an Mandalas erinnernde Elemente (Blütenblätter, ineinander verschlungene Kreise und Scheiben) sowie quadratische Elemente überwiegen. Mit Lineal, Zirkel und Schablonen werden die Umrisse der Formen gestaltet, die, in einer meditativen Balance ruhend, bemalt werden. Der Künstler nennt seine Arbeiten demnach auch „Meditationsbilder“. Die Farbe wird in einer vom Künstler entwickelten Technik (er „stupft“ die Farbe mit dem Pinsel auf die Leinwand) in zarten Übergängen von hell bis dunkel aufgebracht – in einer Präzision, die den Bildern einen Hauch von Kühle und Anonymität geben. Dies wird allerdings durch die in sich ruhende, harmonische Ausgewogenheit von Farben und Formen teilweise aufgehoben. Die besondere Feinheit der Malerei lässt einen surrealen, ins Metaphysische gehenden Eindruck entstehen.

In den Arbeiten „Mandala 1a+b“ (1974) werden zwei kreisrunde Formen, die sich als Blüte interpretieren lassen, von je zwei Quadraten umfasst, welche die Formen als Rahmen umgeben und auf einem schwarzen Untergrund liegen. Horizontal durch die plastisch wirkenden Kreisscheiben und den Rahmen verläuft mittig eine Linie, welche die Scheiben in eine obere und eine untere Halbkugel trennen. Der untere Teil der Rundformen zeigt anstelle der Blätter eine leere Fläche, die die sie umgebenden Farbtöne aufnimmt. „Mandala 1a“ erscheint in den Farben heller, „Mandala 1b“ dunkler, wobei diese beiden Bilder – nebeneinander gehängt – eine Balance zwischen zwei Polen (hell-dunkel, männlich-weiblich, Yin-Yang) ergeben. Die Werke selbst haben einen ausgeglichenen Anteil an warmen (Blütenblätter in Rot-Rosa) und kalten (Rahmen in Blau-Grau) Farbtönen. Durch die feinen Hell-Dunkel-Schattierungen kommt ein spiegelnder, plastischer Effekt zustande – das dunklere Bild scheint aus dem schwarzen Grund hervorzuleuchten. Die zwei Werke vereinen konstruktivistische Elemente mit Victor Vasarelys farbvariantenreicher Op Art. Wie Vasarely verwendet Wagner Ornamente, wobei die von ihm gewählten einem magisch-meditativen, aus Ostasien stammenden Formenvokabular entspringen.



© Sonja Traar






Reinfried Wagner, Mandala 1a+b, 1974, Öl auf Papier hinter Acrylglas, 2-teilig, je 40 x 40 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller




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