fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept



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Pia STEIXNER
(*1962, Innsbruck, A)



Von Pia Steixner ist eine plastische Arbeit zu sehen, die in direktem Zusammenhang mit einer Ausstellung von großen Raumkörpern in der Kärntner Landesgalerie (1995) steht. Damals waren vier U-förmige Schieferelemente (jeweils aus zwei stehenden und einem liegenden Teil) zu sehen, die, im rechten Winkel zueinander gestellt, einen würfelförmigen Körper umschrieben hätten. Sie waren aber gegeneinander verschoben und ergaben so einen offenen Raumkörper. Die Teile, die die U-Form zu seinem Quadrat geschlossen hätten, lagen seitlich dazu am Boden.

Frei von Pathos und narrativer Interpretation schuf die Künstlerin hier einen neuen Raum, den sie wiederum zerlegte (1). Die Auflösung des Würfels in seine Einzelteile ermöglichte eine Prüfung der architektonischen und sozialen Qualität des Raumes. Es ergaben sich verschiedene Aus- und Durchblicke und je nach Lagerung der Objekte ein visueller Variantenreichtum, der durch die Bescheidenheit des Materials noch gesteigert wurde. Bei näherer Betrachtung der Arbeit ergab sich ein weitere Aspekt: Das Material Schiefer mit seiner kreidehaft schimmernden, brüchig wirkenden Oberfläche sowie die modulare Bauweise der Raumkörper (Würfel waren lose neben- und aufeinander gesetzt) riefen einen Moment der Fragilität hervor (2).

Diese Ambivalenz zwischen geometrischer Strenge und Zerbrechlichkeit ist auch in der heute ausgestellten Arbeit, die zur Installation von 1995 gehört, zu finden. Es handelt sich um eine zweiteilige Schieferbox (Außenmaße rund 30 Zentimeter), die aus zwei würfelförmigen Hohlkörpern mit je einer offenen Seite besteht, wobei eine kleinere Box von vorne in eine größere gesteckt ist. So ergibt sich eine kompakte abgeschlossene Form, die durch Schlichtheit bei gleichzeitiger optischer Zerbrechlichkeit – die Platten der Boxen sind nur durch feine schwarze Drähte an den Ecken miteinander verbunden – besticht. Sie scheint den Kern der großen Installation in der Landesgalerie darzustellen und sowohl das Äußere wie das Innere der dort gezeigten offenen Raumkörper zu verdeutlichen. Die plastische Zusammenfügung eines kleineren in einen größeren Würfel verleiht dem Objekt auch hier eine Form der räumlichen Kommunikation: Hervorgerufen durch die exakte ineinander verschobene Anordnung einfachster geometrischer Grundformen wird der eroberte Raum rund um die Skulptur lebendig.

In der Sammlung befindet sich auch, passend zu den besprochenen Arbeiten, eine kleine Zeichnung der Künstlerin. Mit zarten Linien werden einzelne Bausteine für eine mögliche Plastik umrissen, die Hohlkörper im Vordergrund sind dicht an dicht nebeneinander aufgereiht, dahinter zusammengesetzte Wandelemente. Auch hier ist eine strikte Beschränkung des gestalterischen Vokabulars zu finden.



© Sonja Traar


(1) Vgl. Markus Mittringer, „Pia Steixner“, in: PLASTIK AKUT 4, Arnulf Rohsmann (Hg.), Kärntner Landesgalerie, Klagenfurt 1995, S. 23.

(2) Vgl. Günther Moschig, „Skulptur als Neuinterpretation von Raum. Zur jüngsten Rauminstallation von Pia Steixner“, in: Fest am Boden. Aktuelle Arbeiten junger Tiroler Künstlerinnen, Günther Moschig (Hg.), Wörgl 1993, S. 72.





Pia Steixner, o.T., 1994, Schieferplatten, Draht, 31 x 31 x 28 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Pia Steixner, o.T., 1995, Kreide und Bleistift auf Papier, 19,5 x 27 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Pia Steixner, o.T., 1995, Kreide und Bleistift auf Papier, je 19,5 x 27 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller




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