fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept



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Melitta Moschik

(*1960, Villach, A)


Melitta Moschik wurde 1960 in Villach geboren, studierte Mathematik und Physik an der Grazer Karl-Franzens-Universität und ist seit 1991 als freischaffende Künstlerin tätig. Sie agiert an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft und übersetzt empirische Erkenntnisse in Artefakte. Ihre computergenerierten, industriell gefertigten Werke sind geprägt von einer zeichenhaften Ausdrucksform und einer technoiden Ästhetik.

Die Ausstellung präsentiert drei Arbeiten der insgesamt elfteiligen Werkserie „Schnittstelle“ von 1991. Gezeigt werden drei metallene Kreisscheiben mit einer lasergeschnittenen Perforation, deren Motiv eine abstrakte Form in serieller Reihung darstellt. Die feingliedrigen Einschnitte mit gestanzten Löchern formieren sich in einer prozessualen Entwicklung zu einer Abfolge von Zuständen. Moschiks Werk ermöglicht vielfältige Assoziationsweisen, in der Reduktion auf die geometrischen Grundformen Linie und Kreis ist die Ästhetik schlicht und funktional. Die Computerpräzision der Perforation lässt an technische Darstellungen und elektronische Steckverbindungen erinnern, die Formsymbole deuten aber auch pflanzliche und organische Mutationen an. Als Material verwendet die Künstlerin Chromnickelstahl, ein Werkstoff, der vor allem in der Industrie Verwendung findet. Das Spiel von Licht und Schatten auf der Perforation lässt die Arbeiten dynamisch wirken. Der Titel „Schnittstelle“ bezieht sich einerseits auf Moschiks technoide Arbeitsweise der Materialbearbeitung, andererseits stammt „Schnittstelle“ aus dem Softwarebereich und bezeichnet einen Vorgang der Datenübertragung und Informationsverarbeitung, Themen, welche die Künstlerin immer wieder aufgreift.

Melitta Moschiks Computergrafiken „Connected II“ aus dem Jahr 1994 sind Gitternetzdarstellungen von ihrer 16-teiligen Metallskulptur „Connected“, welche die Modellierung genetischer Information veranschaulicht. Die mittels Drahterosion gefertigte Skulptur ist aus vier plastischen Modulen aufgebaut und bildet eine DNA-Sequenz ab. Die ineinander greifenden Einzelteile werden durch jeweils eine Positiv- und eine Negativform nach dem Schlüsselprinzip miteinander verbunden und deuten die Mechanismen des Datenaustausches an.

Zwei Computergrafiken zeigen die Innenansicht der visualisierten Metallskulptur in Seitenansicht und in gedrehter Form, die zwei weiteren Grafiken bilden dieselben Motive in vierfacher Ausführung ab.

„Schnittstelle“ und „Connected II“ sind Beispiele künstlerischer Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Themen und technischem Fortschritt. Melitta Moschik visualisiert Kommunikations- und Informationsprozesse und setzt diese in technisch ausgereiften Herstellungsabläufen um.



© Anna Hoisl-Srienc






Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Melitta Moschik, CONNECTED II 01-04, 1994, Ink-Jet-Print auf Papier, je 80 x 60 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller




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