fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept



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Martina STECKHOLZER
(*1974, Sterzing, I)



Martina Steckholzer wird 1974 in Sterzing, Südtirol, geboren. Nach dem Studium der Architektur an der Technischen Universität Innsbruck besucht sie die Freie Kunstschule Stuttgart. Von 1997 bis 1999 studiert sie Malerei am Mozarteum in Salzburg und schließt anschließend 2003 ihr Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Gunter Damisch und Heimo Zobernig ab. Heute lebt und arbeitet die italienische Künstlerin in Wien.

Martina Steckholzers Werke verfügen über eine spannende Ambivalenz sowohl empirischer als auch poetischer Züge. Ihre Malerei ist streng konzeptionell angelegt, scheint aber gleichzeitig von einem lyrischen Grundton bestimmt zu werden. Formale Elemente werden von der Künstlerin aus dem zeitgenössischen Kontext gefiltert und bilden die Grundlage ihrer Arbeiten. Im Prozess der Abstraktion werden ihre konzeptionellen Werke von klaren Linien und einer hohen farblichen Reduktion bestimmt. In diesen zurückgenommenen Arbeiten eröffnen sich den Betrachtenden auf der flachen Leinwand dreidimensionale Räume, die zwar als solche wahrnehmbar, aber nur schwer einzuordnen sind. Zumeist handelt es sich um Orte der zeitgenössischen Kunst wie Museumsräume oder Künstlerateliers, über die die Künstlerin malerisch reflektiert. Oft spielt dabei der Einbezug architektonischer Elemente, des Lichts und konzeptioneller Überlegungen eine zentrale Rolle.

Die beiden mittelformatigen Malereien „FNJ“ und „then“ aus dem Jahr 2007 markieren im Werdegang der Künstlerin eine Öffnung zu neuen Inhalten. Während sie bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich Orte der Kunst malerisch dokumentiert und abstrahiert hatte, beschäftigt sich Martina Steckholzer ab 2006 zudem mit Situationen innerhalb vorgefundener Kunstwerke. So regten in „then“ beispielsweise vier fallende Gegenstände in einer Fotografie die Künstlerin zu einer malerischen Auseinandersetzung an. Das entstandene Werk steht als Ergebnis einer fast vollkommenen Reduktion von Form und Farbe und versinnbildlicht die äußerst klare Schaffensweise von Martina Steckholzer. Lediglich vier Kreise in unterschiedlichen Größen durchbrechen als blaue Gesten den weißen Grund der Leinwand und vermitteln den Betrachtenden das Gefühl einer seltsamen Abwesenheit. Einerseits geprägt von einer festen minimalistischen Formensprache transportiert die Arbeit andererseits eine poetische Schwerelosigkeit, die die Objekte im unendlichen Nichts des Hintergrunds verschwinden lässt.

Im Werk „FNJ“ lässt sich besonders Martina Steckholzers Reduktion ambivalenter Räumlichkeiten nachvollziehen. Mit klaren Strukturen und einem auf die Grundfarben beschränkten Farbauftrag erinnert die Arbeit an eine Weiterführung des künstlerischen Schaffens von Piet Mondrian. Sie dekonstruiert die zeitgenössische Formensprache der realen Gegenwart und wandelt sie mit Hilfe der Abstraktion zu sehr subjektiven Neufigurationen um. Es ist ein Spiel der Relationen, die Verbindung von Wirklichkeit und Empfindung, die ihren Werken im Einklang eine Aura des Besonderen verleiht.



© Mirjam Schmidt






Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Martina Steckholzer, JAN, 2005, Acryl auf Baumwolle, 130 x 170 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Martina Steckholzer, THEN, 2007, Acryl auf Baumwolle, 130 x 170 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Martina Steckholzer, F.N.J., 2007, Acryl auf Baumwolle, 130 x 170 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller




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