fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept


 

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Manuel Knapp

(*1978, Wolfsberg, A)


Was Manuel Knapp interessiert, ist nicht das Funktionserprobte und Vollkommene, sondern das Unkonventionelle, Imperfekte, Dysfunktionale, sind Fehler und Störungen, destruktive und dekonstruktive Elemente und Strategien.

Grundsätzlich ist das Œuvre in den Gattungen Malerei, Grafik, Installation, Animation und Musik interdisziplinär angelegt, abstrakt und experimentell. Der Künstler agiert so frei wie möglich und bezieht sich weder bewusst auf Traditionen noch auf aktuelle Tendenzen.

Manuel Knapp ist auch am Feld der Computermusik und der elektroakustischen Medien tätig, dennoch bewegt sich sein Denken schwerpunktmäßig in den Kategorien der Malerei. Grundlegend ist ein puristisches Prinzip, das sich auf eine äußerst minimale Bildsprache konzentriert: auf die formale Basiskonstante der geraden Linie als zentrales konstruktives Element, auf ein rektanguläres Konstruktionsschema und die (Nicht-)Farben Schwarz und Weiß. Die Mittel sind elementar, die Ergebnisse immens vielfältig.

Die Animationen waren ursprünglich Visualisierungen von konstruktiven, aber auch dekonstruktiven Prozessen, der Suche nach dem Interim von analogen und digitalen Medien. Modifiziert durch die medialen Eigenheiten, haben sie sich als autonome Werke etabliert.

In den aktuellen Arbeiten geht es um Raumbildung und -dekonstruktion durch Schatten – um Schatten als Raum. Am Computer wird eine Szene konstruiert und gerendert, das heißt ein dreidimensionales Bild wird aus den Rohdaten – Objekten, Linien, Licht, Schatten, Blickwinkel – generiert. Das gerenderte Bild wird wieder auf die Ausgangsszene projiziert, wieder gerendert und nochmals projiziert und gerendert, wobei im letzten Schritt das gerenderte Bild auch als Textur in der Szene verwendet wird. Durch diese mehrfache Wiederholung in einer Art Rückkoppelungsschleife kommt es zu Überlagerungen von Licht, Schatten, Strukturen und Perspektiven, daraus resultieren Verdoppelungen, Abweichungen, Fehler und Auslöschungen auf unterschiedlichen Ebenen; diese fließen als ästhetische Informationen wiederum in den Prozess ein. Es entsteht eine Verunklärung der Dreidimensionalität, ein imaginärer, labiler, flüchtiger Raum, der in der steten Veränderung seiner Komponenten fortwährend neu definiert, gebaut und zugleich dekonstruiert wird und nur im Moment seiner Konstituierung existiert. Die Wirkung des Gefüges beruht auf der prozessualen, strukturellen Setzung dynamischer Formen, die sich in einem geradezu filmischen Ablauf permanent wandeln, die entstehen und verschwinden. Dementsprechend permutiert das instabile virtuelle Raumkonstrukt und verändert sich in der Zeit. Die herkömmlichen Wahrnehmungsmuster sind gefordert, die Perzeption muss den Faktor der vierten Dimension einkalkulieren.


© Christine Wetzlinger-Grundnig





Manuel Knapp, o.T., 2005, Acryl und Tuschestift auf Leinwand, je 85 x 94,5 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Manuel Knapp, INT/EXT 03, 2011, Rauminstallation: Schwarz-Weiß-Animation 9'45'', Holzprofile lackiert, Kunststoffprofile, Maße variabel, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller




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