fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept




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Manfred WAKOLBINGER
(*1952, Mitterkirchen im Machland, A)


Von der Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur in den frühen 1980er-Jahren über figurale Abstraktionen um 1985–86 gelangt der Bildhauer Manfred Wakolbinger ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts zu einer abstrakten Formensprache innerhalb seines plastischen Schaffens. Das Material Kupfer ist von Anfang an bestimmend im Œuvre des gelernten Werkzeugbauers, ebenso das bewusste Spiel mit Gegensätzlichkeiten. Die zu Beginn noch bestehende formale Differenzierung von Sockel und Figur, die auch durch den Kontrast der verwendeten Materialien – Spachtelputz oder Gips und Kupfer – betont wird, verschwimmt innerhalb dieser Entwicklung jedoch zusehends. Gleichzeitig tritt die Beschäftigung mit dem Innen und Außen in den Vordergrund. In Hohlkörperplastiken, die zwischen 1986 und 1988 entstehen, scheinen Sockel und Kunstwerk ineinander gerutscht und zu einer dualen Einheit geworden zu sein. Die Hohlräume im Inneren bringen den Negativraum ins Spiel. Diese Hohlkörperplastiken präsentieren uns Kunstwerke als komplexes Gefüge materieller und immaterieller Elemente.

In der Werkgruppe von 1989/90, zu der die Arbeit aus der Kunstsammlung des Landes Kärnten zählt, werden die skulpturalen Untersuchungen weitergeführt und das Verhältnis Kunstwerk zu Vitrine untersucht. Es handelt sich bei den Arbeiten dieser Werkgruppe um Glaskuben, in denen sich Kupferobjekte befinden, die wie vergrößerte, verbogene Segmente eines Schlauches aussehen. Das Verhältnis zwischen den Glaskuben und den Kupferobjekten, zwischen den vermeintlichen Vitrinen und Kunstwerken, ist ungewohnt. Die Vitrinen scheinen zu klein für die in ihnen befindlichen Objekte zu sein. Es ist fast, als wären die beengten Ausmaße der starren Kuben der Grund für die Verformungen der weich und organisch wirkenden kupfernen Schlauchsegmente in ihrem Inneren, als wären diese in ihnen eingesperrt und in sie hineingedrängt. Gleichzeitig stabilisieren die Vitrinen die Kupfergebilde aber, von denen einige ohne Glasummantelung umkippen würden. Das macht die kubischen Glaskörper zu einem integralen Bestandteil der Werke und lässt die Vitrinenoberflächen zu den Werkoberflächen werden. Was uns Manfred Wakolbinger mit der in der Ausstellung „fokus 06 ABSTRAKT“ gezeigten Plastik also präsentiert, ist ein Blick ins Innere des transparenten Kunstwerkes, metaphorisch gesehen somit eine Innenschau. Und dieses Innen besteht sowohl aus der organisch wirkenden Kupferform als auch aus ihrem klar umgrenzten immateriellen Umraum und seiner gläsernen Umrahmung. Sie bilden gleichberechtigte Elemente der Arbeit.

In den folgenden Jahren treten Wakolbingers Kupfergebilde aus ihren Ummantelungen heraus in den Raum – hängen von der Decke, liegen am Boden oder schmiegen sich an Wände.



© Magdalena Felice






Manfred Wakolbinger, o. T., 1990, Kupfer in Floatglaskasten, 80 x 51,5 x 20,5 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller




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