fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept





Luisa Kasalicky

(*1974, Prag, CZ)


Luisa Kasalicky, die sich selbst als Malerin versteht, führt in ihrer künstlerischen Arbeit einen komplexen Diskurs, der das Medium der Malerei, seine Rahmenbedingungen, Mittel und Möglichkeiten betrifft. Dabei agiert die Künstlerin mit plastisch-installativen Werkzeugen und Materialien situationsspezifisch im Raum, den sie analytisch befragt. Sie expandiert die Gesetzmäßigkeiten der Bildfläche in die dritte Dimension und erweitert auf diese Weise den Malereibegriff abseits seiner herkömmlichen medialen Bestimmung. Sie baut, montiert und schichtet, gleich einem Bauarbeiter, an Wänden wie am Boden und erzeugt – etwa in der Tradition von Kurt Schwitters und in Nähe zu Jessica Stockholder – handwerklich „Bilder“, die sich im Kontext der Architektur, deren vorgegebene Strukturen einbezogen oder auch konterkariert werden, als neokonstruktivistische, minimalistische, geometrisch-abstrakte Werke aufspannen, die der zweidimensionalen Fläche der Wand in fragilem Gleichgewicht entwachsen und real in den Raum streben.

Industrielle Produkte, Materialien des Alltags, Werkstoffe aus dem Baumarkt, vielfältige Abfälle und Reststoffe der Konsumkultur, einfache Bau- und Einrichtungsmaterialien – Dämmstoffe, Bodenbeläge, Fliesen, Metallgitter und diverse Platten, Textilien und Kunstleder – unterschiedlichster Materialqualitäten, Form und Farbigkeit: Aus handelsüblichen Dingen, vorgefertigten „Readymades“, die die Künstlerin sehr beliebig und völlig atypisch einsetzt, ungewöhnlich kombiniert, abseits gängiger formaler Normen arrangiert, entstehen nach einer subjektiven, intuitiven Systematik assoziativ aufgeladene Assemblagen – Einrichtungen ohne Nutzfunktion in einer ausgeprägten Ästhetik des Unfertigen –, die in ihrer formal-kompositorischen Gestaltung die Prinzipien der Malerei aufnehmen. Es handelt sich quasi um Malerei ohne zu malen. Und die Ergebnisse sind keine Bilder, sondern häufig vielmehr Erfahrungsräume. Die vorgefertigten Werkstoffe und ihre besonderen Eigenschaften substituieren die malerischen Komponenten von Materialität, Form und vor allem jene der Farbe als wesentliches Element des malerischen Ausdrucks.

Die banalen, rohen Materialien, ihre konkrete Beschaffenheit und spezifische, artfremde Anwendung sowie ihre Kombinationen führen zu ganz neuen und ungewöhnlichen ästhetischen Erfahrungen, die nicht nur die Ausgangsstoffe in ihrem aktuellen Funktionszusammenhang einer anderen Bewertung zuführen, sondern die ebenso die klassischen Kategorien des bildnerischen Gestaltens wie auch allgemeine tradierte Konnotationen der Gebrauchswaren konterkarieren, neue Bedeutungsebenen etablieren bzw. Verborgenes hervorkehren.


© Christine Wetzlinger-Grundnig





Luisa Kasalicky, o.T., 2011, Gummi, Holz, Außenputz, 264 x 290 x 4 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: C. Zimmermann




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