fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept





Karl Hikade

(*1942, Wien, A)


Karl Hikade verbrachte seine Kindheit und Jugend in London, wo er am Hornsey College of Art studierte (1959–1964). Anschließend ging er nach Wien und setzte seine Studien bei Max Weiler fort. Ab 1970 war er mit Unterbrechungen Lehrbeauftragter an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und dort von 1994 bis 1997 interimistischer Leiter der Meisterschule für Malerei.

Seine künstlerischen Anfänge waren geprägt von einer Faszination für die Landschaft. Das Meer, die Inseln und das Land vom Flugzeug aus gesehen waren stark bildgebend und Hikade setzte dies in verschiedensten Spielarten seiner von der Minimal Art der 1960er-Jahre geprägten abstrakten Malweise um. Diese Landschaftsabstraktionen sind teilweise in dichten Pastelllagen, dann wieder von und zarter Farbigkeit geprägt; er nennt sie „seascapes“ (eine Wortfindung analog zu „landscapes“) und stellt sie erstmals 1973 in der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum in Graz aus. Er ist einer der wenigen heimischen Vertreter des Color Field Painting, wobei die Flächenbezogenheit seiner Farbfeldmalerei nicht mit dem klassischen homogenen Farbauftrag eines Barnett Newman, Brice Marden oder Elsworth Kelly zu vergleichen ist (1) . Die Bilder des Künstlers bestehen vielmehr aus farblich differenzierten, teilweise zueinander abgegrenzten Farbflächen, die einen illusionistischen, horizontlosen Raum entstehen lassen. Sie sind nicht im zweidimensionalen Raum festgelegt. Durch eine Einbeziehung des Raumes und des Betrachters, der sich scheinbar im Bildraum bewegt, erlangen die Bilder einen übergeordneten Objektstatus, der auch durch die große Tiefe der Keilrahmen zustande kommt.


Ab Mitte der 1980er-Jahre entwickelt Hikade Collagen, die in freier Montage Teilräume entstehen lassen. Ihre Achsen werden gekippt und die ursprüngliche Orientierung der Raumtiefe zwischen den parallelen Ebenen schwindet. Dazu verwendet er etwa seine eingefärbten Leinwände, die er zerschneidet und in Streifen frei assembliert – oder es sind mit Pastellfarben bemalte Zeitungsausschnitte, die durch ihre Fragilität und feinste farbliche Modulationen ebenfalls auf eine Raumsituation mit virtuellen Tiefenräumen hindeuten.

Die in der Ausstellung gezeigten Collagen „Ocean XI“ und „Ocean XII“ (beide 1998) entwickeln ihre räumliche Wirkung nicht allein durch die harmonisch abgestimmte Farbwirkung der Pastellfarben, sondern auch durch die äußere Beschaffenheit der Werke selbst. Der Künstler montiert die Collagen, die inmitten eines ausladenden Weißgrundes zu liegen kommen, in Objektkästen mit der Tiefe von sieben Zentimetern. Dazu verwendet er einen Metallrahmen und Plexiglas, Untergrund und die Collage selbst sind auf Holz aufgebracht, die Collage selbst wird nochmal an der Rückseite mit einer Plexiglas-Scheibe abgedeckt. Die Feinheit der Pastellfarben und die Verletzlichkeit des Zeitungspapiers stehen somit in einem reizvollen Gegensatz zum massiv gearbeiteten Rahmen.


© Sonja Traar


(1) Arnulf Rohsmann, „karl hikade – farbfeld/farbraum“, in: Karl Hikade, Kärntner Landesgalerie Klagenfurt und Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum Graz (Hg.), Klagenfurt, Graz 1990.



Karl Hikade, Ocean XI, 1998, Pastell auf Papier auf Holz, Acrylglas, Metallrahmen, 103 x 103 x 7 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Karl Hikade, Ocean XI, 1998, Pastell auf Papier auf Holz, Acrylglas, Metallrahmen, 103 x 103 x 7 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller




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