fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept





Josef Dabernig

(*1956, Kötschach-Mauthen, A)


Josef Dabernig wird 1956 in Kötschach-Mauthen im Bezirk Hermagor in Kärnten geboren. Von 1975 bis 1981 studiert er an der Akademie der bildenden Künste Wien Medaillenkunst und Kleinplastik sowie Bildhauerei. Nach Abschluss seines Studiums erweitert der junge Kärntner das Feld seiner bildhauerischen Tätigkeit und beginnt ab 1966 zusätzlich regelmäßig Kurzfilme zu produzieren. Seine Arbeiten sind in den kommenden Jahren nicht nur bei Ausstellungen wie der „Manifesta 3“ in Ljubljana und der „Biennale di Venezia“ von 2001 und 2003 zu sehen, sondern auch an renommierten Filmfestivals wie beispielsweise im Jahr 2000 in Rotterdam und 2009 in London.

In Josef Dabernigs Arbeiten treffen Texte, Skulpturen, Installationen, Fotografien und Filme an der Schnittstelle von Theorie und Forschung zusammen. Zentrale Themen sind für ihn Ordnungssysteme und gewohnte Verhaltensweisen im Spiegel von Kultur und Gesellschaft.


Seine dreidimensionalen Arbeiten sind geprägt von Minimalismus und geometrischen Strukturen, seine Filme meist schlicht in Schwarz-Weiß gehalten. Auch Fragestellungen der Architektur werden vom Künstler in seinen Werken direkt oder als phrasenhafte Anlehnung aufgenommen. In seiner Arbeit greift er häufig auf sein persönliches Archiv oder bereits erprobtes Material zurück und verwebt dokumentarische und fiktive Elemente einer möglichen Realität zu analytischen Gedankengebilden.

Josef Dabernig schafft mit seiner Skulptur aus lackiertem Stahl von 1985 eine Geometrie, die keinen regelmäßigen Strukturen folgt, sich jedem gefestigten System entzieht. Die ausladenden Spitzen bilden ein abstraktes Formgebilde und verhindern ein räumliches Greifbarmachen einer Skulptur im klassischen Sinne. Sie spiegeln mit übertriebener Tendenz eine Suche nach Freiheit wider, einer Freiheit jenseits aller festgelegten Grenzen. Sie verkörpern Vektoren der Bewegung auf der vergeblichen Suche nach dem Gleichgewicht. Vergeblich, weil der Künstler weiß, dass er nie fähig sein wird, die Harmonie zu erreichen. Ganz im Gegenteil. Sein Werk ist geprägt von gewaltsamen Linien, welche bestrebt sind den umgebenden Raum zu verletzten, Kraftlinien, welche durch ihre Unruhe die innere Unruhe des neugierigen Menschen verkörpern.


© Mirjam Schmidt




Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F .Neumüller

Josef Dabernig, o. T., 1985, Stahl lackiert, 290 x 230 x 200 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller © Bildrecht Wien, 2020

Josef Dabernig, o. T., 1989, Aluminium, 6-teilig, Maße variabel, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller © Bildrecht Wien, 2020

Josef Dabernig, A.B.F.15+16, 1987, Stahl, 2-teilig, je 105 x 120 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller © Bildrecht Wien, 2020

Josef Dabernig, o. T., 1984, Grafitstift, Filzstift und Tusche auf Papier, 33 x 44,5 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller © Bildrecht Wien, 2020




Dabernig_187.jpg

Museum Moderner Kunst Kärnten • Burggasse 8 • 9020 Klagenfurt, Austria • ++43(0)50.536.34112 • office.museum@ktn.gv.at