fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept



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Jochen TRAAR
(*1960, Essen, D)


Jochen Traar wurde 1960 in Essen, D geboren und ist in Kärnten aufgewachsen. Der Künstler, der bei Bruno Gironcoli an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert hat, versteht sich als Bildhauer. Sein Tätigkeitsfeld umfasst einen radikal erweiterten Skulpturenbegriff. Traar verwendet Alltags- und Gebrauchsgegenstände, die über ihre ursprüngliche Rolle hinaus eine neue Bedeutung erfahren.

Eines solchen Alltagsobjektes bedient sich Jochen Traar für sein 1989 entstandenes Werk „o. T.“, ein Deckenobjekt aus Stoff, Holz und Rollos. Das Rollo, in alltäglicher Funktion als Sicht- oder Lichtschutz im häuslichen Bereich verwendet, erfährt eine Umdeutung zum geometrischen Objekt. Die Arbeit besteht aus mehreren Rolloflächen, die mittels einer schwarzen, aus Rechtecken zusammengesetzten Holzkonstruktion an der Decke befestigt sind. Die Springrollos lassen sich manuell zu farbigen Rechteckflächen ausziehen. Sie bewegen sich zwischen Skulptur und zweidimensionaler Fläche. Im Gegensatz zur statischen Malerei lässt sich Traars Deckenobjekt modifizieren. Die einzelnen Farbflächen können ineinander verschoben werden, wodurch sich das Gesamtbild immer wieder verändert. Jochen Traar verortet das Objekt im Spannungsfeld zwischen Architektur, Partizipation und Malerei, Themen, deren Grenzen der Künstler stets auslotet.

Die Rollos sind auf die Primärfarben Rot, Gelb und Blau reduziert, drei Rechteckflächen sind schwarz. Durch die lockere Anordnung der einzelnen Rollos entstehen Zwischenräume, die weiße Wand und der Ausstellungsraum werden Teil der Arbeit. Die Ursprünge der geometrisch-abstrakten Kunst liegen in der russischen Avantgarde und in der holländischen De-Stijl-Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Jochen Traars Objekt reiht sich formal in diese Tradition ein. Farbe, Form, Fläche, Ordnung und Raum sind bestimmende Faktoren. Der Bildhauer referiert auf die ikonischen Bilder der geometrisch-abstrakten Malerei und untersucht dabei den Weg von der Malerei zur Skulptur und wieder zurück.



© Anna Hoisl-Srienc







Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Jochen Traar, o. T., 1986, Überspannung, Acryl auf Leinwand, Schreibtischlampe, 170 x 40 x 17 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Jochen Traar, o. T., 1989, Textilrollos, Holz, Maße variabel, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller




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