fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept





Isolde Baumhackl Oswald

(*1949, Pforzheim, D)



Das Phänomen Schmuck ist äußerst vielfältig und begleitet die Menschheit seit Urzeiten. Seine Stärke liegt von Anfang an in der nonverbalen Kommunikation. Wie auch in anderen Bereichen kommt es im 20. Jahrhundert zu einer Demokratisierung, einer Entgrenzung und Pluralität des Schmucks, die auch seine Beziehung zur bildenden Kunst betreffen. Die Grenzen zwischen bildender Kunst und dem Goldschmiedehandwerk werden durchlässig. Vor allem seit den 1960er Jahren entwickelt sich in Europa der Autorenschmuck, der eine größere Gestaltungsfreiheit sucht und sich auch Anregungen aus dem Bereich der bildenden Kunst holt. Eine neue Materialität und Ästhetik findet Eingang in die Schmuckerzeugung, Schmuck entsteht vermehrt auf der Grundlage von Konzepten und die Schmuckstücke selbst übersteigen zuweilen eine alltagstaugliche Tragbarkeit, werden zu performativen Statements oder Objekten.


Für Isolde Baumhackl-Oswald ist dies wesentlich. Sie studiert an der Fachhochschule in Pforzheim Schmuckgestaltung bei Reinhold Reiling, einer der Ersten in Deutschland, der Tendenzen der zeitgenössischen bildenden Kunst (konkret: Tachismus und Informell) in seine Goldschmiedearbeiten einfließen lässt. Für Isolde Baumhackl-Oswald wird ebenfalls eine künstlerische Herangehensweise an die Goldschmiedearbeit charakteristisch, das Arbeiten mit Konzepten an der Schnittstelle von Kunst und Handwerk sowie das Experimentieren mit dem Material. Eine starke Affinität zur Bildhauerei und zum Dreidimensionalen ist ihren Schmuckstücken immanent. Die Künstlerin gestaltet tragbaren Schmuck sowie Objekte, welche dem Bereich der angewandten oder bildenden Kunst zugerechnet werden können. Ihr Zugang ist zu beiden der gleiche. Sie arbeitet formale Themen in Unikaten und deren Variationen auf, verknüpft sie metaphorisch mit Inhaltlichem und umgekehrt. Ihre Formensprache ist eine klare, geometrisch-abstrakte. Meist bestehen die Schmuckstücke und Objekte aus mehreren geometrischen Körpern, die, jeder für sich, wie kleine minimalistische Plastiken oder Architekturen wirken. Sie sind aus Metallen (Gold, Silber, Kupfer/Bronze) und anderen Materialien gearbeitet und ihre Oberflächen durch Oxidation durch die Flamme, Chemie und feine mechanische Bearbeitung farblich und strukturell gestaltet. Diese Oberflächengestaltung scheint die Formen zu beseelen und zu verlebendigen. Gelegentlich kommen Steine und Korallen zum Einsatz, erweitern die Farbpalette und setzen Akzente.

In einer Serie von Arbeiten beschäftigt sich die Künstlerin mit dem weiten Feld der „Beziehungen“. Die Arbeit „o. T.“ von 1991 besteht aus einer schwarz-weißen Silberdose, die einen unregelmäßigen, spitzwinkligen geometrischen Körper bildet, sowie einem matt-orange oxidierten Kupferkörper, der eine kleinere, genaue Passform zur Dose darstellt. Es sind zwei Teile, die zueinander gehören und sich doch immer wieder trennen, wie die Künstlerin erklärt: „Objekt und Schmuck. Die Dose, das Objekt, bleibt zu Hause, das Schmuckstück kann immer wieder gehen und kommen.“


© Magdalena Felice




Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F .Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F .Neumüller

Isolde Baumhackl-Oswald, o. T., 1991, Silber und Kupfer oxydiert in Acrylglaskasten, 2-teilig, je 30 x 30 x 7 cm, Foto: C. Zimmermann




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