fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept



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Ferdinand PENKER

(1950, Klagenfurt, A - 2014, Farrach, A)


Ferdinand Penker hat sein Werk von Beginn an abseits aktueller Tendenzen, jedoch in Hinblick und in gewisser Verwandtschaft zu ihnen entwickelt – am Anfang zum amerikanischen Colourfield Painting, dem All-Over-Prinzip und der Minimal Art. Für das Frühwerk bedeutet das, dass er in Zeiten der Dominanz minimalistischer und konzeptueller Strömungen einen eher traditionellen Standpunkt als Produzent von Tafelbildern und Skulpturen einnimmt. Später steht Penkers minimalisierte Malerei, ihre Sensibilität und Strukturiertheit, gegen die Expressivität der Neuen Malerei der 1980er-Jahre. In den 1970ern werden eine Methodik und ein Formenvokabular ersonnen, die zur Grundlage des Œuvres werden, in dem sie sich fortan vielfältig variierend progressiv entfalten. Den Ausgangspunkt bietet die Architektur, deren Elemente der Künstler in der Fläche abstrahiert und die er in der Skulptur wieder (verändert) zu körperhaften Gestalten werden lässt. Bauformen werden wie Ausschneidebögen in die Fläche projiziert, wie es auch die unbetitelte Arbeit von 1973 aus der Kunstsammlung des MMKK vorführt. Die Kanten der Motive gehen als referenzlose Relikte in die linearen Elemente der Malerei der 1980er- und 90er-Jahre über. Die Werke sind abstrakte Konzeptionen. Es geht um das Erzeugen von Strukturen, deren Konstruktionselement die Linie ist. Der Strich per se und das Malen von Strukturen, von „Ordnungssystemen“ sind das Thema. Das vorliegende Werk von 1999 ist ein Beispiel der sogenannten „expandierenden Bilder“. Sie unterstreichen den Dualismus von Bildhaftem und Strukturellem im Werk, von optischer Illusion und konkreter dreidimensionaler Gegenständlichkeit; Simulation und Wirklichkeit fallen augenscheinlich zusammen. Das Verhältnis zum Raum, zur Architektur ist evident. Das Bild-Objekt, das als Überwindung des klassischen Tafelbildes gilt, hat die traditionelle Bildgrenze überschritten und ist environmental in den Raum erweitert. Nach der formalen Reduktion der Oberfläche und der Aufhebung des illusionistischen Bildraums folgt das Aufbrechen des Rahmens, der in sich geschlossenen Bildwelt. Das Bild wird zum Objekt, das in direkter Anbindung an die räumliche Situation steht. So wie die Architektur zu Beginn der künstlerischen Arbeit den zwei Dimensionen der Fläche unterworfen wurde, kippt sie nun wieder zurück in den Raum.

Im neuen Verwaltungsgebäude der Kärntner Landesregierung in Klagenfurt hat Ferdinand Penker 2007 die Prinzipien seines künstlerischen Handelns als flächendeckende Wandgestaltung verwirklicht und darin das Verhältnis seines künstlerischen Denkens zu Architektur und Raum eindrucksvoll unterstrichen. Die Entwürfe dieser Arbeit sind in die Kunstsammlung des MMKK eingegangen und stellen ein wertvolles Dokument der Arbeitsweise des Künstlers dar.



© Christine Wetzlinger-Grundnig






Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Ferdinand Penker, o. T., 1999, Pigmente und Rhoplex auf Molino auf Holz, 260 x 132 x 80 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Ferdinand Penker, o. T., 1996, Holzschnitt auf Papier, 50 x 65 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Ferdinand Penker, o. T., 1991, Radierung auf Papier, 34,5 x 34 cm, Ferdinand Penker, o. T., 1996, Holzschnitt auf Papier, 50 x 65 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller




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