fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept



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Esther STOCKER
(*1974, Schlanders, I)


Die Künstlerin Esther Stocker wird 1974 in Silandro in Italien geboren. Von 1994 bis 1997 studiert sie an der Akademie der bildenden Künste Wien. Dabei verbringt sie 1996 ein Jahr an der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand, welche 1776 von Kaiserin Maria Theresia von Österreich gegründet wurde. Von 1999 bis 2000 studiert sie abschließend ein Jahr am ArtCenter College of Design in Pasadena, Kalifornien. Heute lebt und arbeitet sie in Wien.

Für ihr künstlerisches Schaffen, in dem sich Esther Stocker besonders auf die Bereiche der Malerei und Installationskunst fokussiert, wird sie in ihrer Laufbahn unter anderem 2004 mit dem Otto-Mauer-Preis sowie 2009 mit dem Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst prämiert.

Bilder, Wandmalereien und Rauminstallationen von Esther Stocker sind meist rasterhaft aufgebaut. In einer reduzierten Formensprache aus Linien und Zeichen in Schwarz, Weiß und einigen wenigen Zwischentönen lotet sie formale Grenzen und räumliche Strukturen aus. Was den Besuchenden zunächst klar definiert erscheint, schwindet bei längerer Betrachtung. Mit dezenten Eingriffen in das Blickfeld schafft es die Künstlerin die eigentliche Klarheit durch minimale Störungen in ihren exakten Formen zu durchbrechen. Dadurch verwandelt sie das anfangs so einfach erscheinende Werk in ein zunehmend komplexeres. Durch die plötzlich auftauchenden Alternativen entstehen unendliche Räume, in denen sich die Betrachtenden verlieren.

Auch bei dem Werk „o. T.“ von 2007 spielt Esther Stocker mit der Gesetztheit geometrischer Formensprache. Minimale Eingriffe verändern gewohnte Orientierungspunkte und führen dazu, dass ein Erfassen der entstandenen Strukturen kaum mehr möglich scheint. Indem sie ein einfaches Raster aus Rechtecken an einigen Stellen verschiebt, handelt das Werk in seiner Betrachtung gegen jede gewohnte Intuition. Dominiert von dem Gegensatz zwischen geordneter Fläche und chaotischer Konsistenz, lassen die subversiven Störungen das zunächst so klar erscheinende Raster eher wie ein Blicke verschlingendes Labyrinth wirken.

Esther Stocker eröffnet durch ihre expressiven Entgleisungen exakter Ordnungen verschiedene Ebenen ihrer Kunst. Die Leinwand ist dabei für sie keine geschlossene Einheit. Oft ufern ihre Arbeiten ins Dreidimensionale aus und äußern sich dann beispielsweise in zerknüllten Objekten oder ganzen Rauminstallationen. In ihrer Beschäftigung mit der Bedeutung von Raum und Struktur schafft Esther Stocker Kunstwerke, die uns alle durch ihre besondere Ambivalenz von Chaos und Ordnung, Komplexität und Einfachheit in den Bann ziehen.



© Mirjam Schmidt






Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Esther Stocker, o.T., 2007, Acryl auf Baumwolle, 140 x 160 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller




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