fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept


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Eric Kressnig

(*1973, Klagenfurt, A)


Was ist ein Bild? Wie konstituiert sich ein Bild oder eine Bildfläche? Was kann ein Bild leisten? Und wie entwickelt sich eine Arbeit über sich selbst und die eigenen Bedingungen hinaus und integriert sich in einen übergeordneten Zusammenhang? Das sind die Fragen, die sich Eric Kressnig stellt. Überprüft werden sie anhand akribischer Analysen von Techniken und Methoden, von Materialien und ihren Eigenschaften, von Farben und Formen und von Ergebnissen in ihrer Referenz auf Raum und Betrachtende. Von Interesse sind die Feinheiten. Es geht um Fragen der Wahrnehmung, um Nuancen, die gesetzt, und um Schwellen, die unter- oder überschritten werden (müssen); um einen Grenzgang zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, zwischen Statik und Dynamik, zwischen Geschlossenheit und Offenheit; und um die Räume dazwischen, die sind das eigentliche Terrain, auf dem sich die Arbeit aufspannt. Das Werkzeug liefern eine konzeptuelle Denkart und die konstruktive Formensprache, in der die technischen, methodischen, ästhetischen Faktoren auf ihre Mindestanforderungen reduziert sind und dergestalt die medienbezogenen Recherchen im Kontext der Malerei gestatten.

Das Werk ist durch diskursive Stringenz und Transparenz der Gestaltung gekennzeichnet, durch eine logische, formalisierte Arbeitsweise, die auf einem peniblen Konzept beruht – auf einer rechtwinkligen, symmetrisch proportionierten Ordnung und einer sehr fein differenzierten Farbigkeit.

Primär wichtig ist die Verfolgbarkeit des bildkonstituierenden Prozesses. Über die Wahrnehmung der formalen Struktur entschlüsselt sich die Anlage des Bildes – die Herstellung und das Ergebnis sind identisch – und darüber lässt sich in systematischen Stufen der künstlerische Diskurs über ihre Etablierung ablesen und ihre Definition nachvollziehen. Im Bild beziehungsweise Bildobjekt, das als analytisches Modell, als „vielfältige Reflexionsmaschine“ (Kressnig), zu verstehen ist, offenbaren sich sowohl die künstlerischen Fragestellungen als auch die Antworten. Die Stufen des Kompositionsschemas markieren die Bildbausteine – Fläche, Rahmen, Körper – sowie die verschiedenen Reflexionsebenen; sie verweisen auf ihre Relation zueinander und zum außerbildlichen Bereich, zu Umraum und Rezipient; und sie sondieren die Übergänge zwischen den Kategorien: zwischen Farbe und Nichtfarbe, zwischen Fläche und Raum, zwischen Bild, Objekt und Wand. Das Werk ist im komplexen Netz der Bezüge und in der jeweiligen Kohärenz als veränderliche Größe erkennbar.

Das Interesse des Künstlers an den vielfältigen Bedeutungs- und Funktionsebenen des Kunstwerks spiegelt sich in der Malerei ebenso wie in Grafik, Objektkunst und Rauminstallation, wo jeweils medienspezifisch dieselben Fragestellungen exemplifiziert werden.


© Christine Wetzlinger-Grundnig






Eric Kressnig, o. T., 2012, Farbholzschnitt auf Papier, Handabzug, Unikate, je 50 x 60 cm, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Eric Kressnig, Lichten, 2013, Acryl auf Seekiefer, Messing, 104 x 104 x 52 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller




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