fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept





Edgar Knoop

(*1936, Dortmund, D)


Edgar Knoop ist Künstler und Wissenschaftler. Die Auseinandersetzung mit Farbsystemen, die Lehre von den Farbkontrasten, das Phänomen Licht und die Lichttechnik sind die Basis des Œuvres, das sich in den Bereichen Skulptur, Installation, Fotografie, Tapisserie, Objektkunst, Kunst im öffentlichen Raum nach den Gesetzen der Konkreten Kunst, der Op Art und der Kinetik formuliert.

Im Gegensatz zur traditionellen Rolle des Künstlers als „Schöpfer“ entwickelt Edgar Knoop einen kooperativen Arbeitsstil mit öffentlichen Institutionen oder privaten Firmen, der Kunst mit wissenschaftlicher Forschung und Technik verbindet. Die Tätigkeit des Künstlers überschneidet sich mit jener des Forschers beziehungsweise des Ingenieurs und zugleich erstreckt sich das Wirkungsfeld der Kunst über die eigenen Grenzen. Das Atelier wird zum Labor – im Sinne von Alexander Rodtschenko. (1)

Wenn Edgar Knoop kunstfremde Materialien und neueste Technologien einsetzt, geht es um überraschend einfache Mittel und Formen. Bedeutend sind der Effekt und dessen maximale Wirkung. Das Werk dient als objektiver Reizauslöser. Wichtig ist die aktive Wahrnehmung des Rezipienten. Durch seine Sinnesleistung, durch die individuelle Verarbeitung der Reize, ist das subjektive Moment integriert. In diesem Spannungsverhältnis oszilliert die Arbeit.

Die Werkentwicklung ist durch die zwei Aspekte Farbe und Licht bestimmt, die sich in Wechselwirkung mit Form, Raum und Bewegung an zwei- und dreidimensionalen Arbeiten manifestieren, in denen das gesamte Potenzial der Mittel erschöpfend erprobt wird. Im Zentrum steht die Vielfalt der Farbe. Edgar Knoop sucht nach neuen Gestaltungsmöglichkeiten und betreibt Recherchen im Bereich der Farbwahrnehmung, untersucht ihre physikalische und psychologische Wirkweise, vor allem ihre raumerzeugende Dimension. In den 1960er- und 70er-Jahren entstehen „Farbprofile“ als greifbare Visualisierung der Farbräumlichkeit, dreidimensionale Darstellungen von empirischen Messergebnissen, die zugleich autonome plastische Werke sind. In den 1970er- und 80er-Jahren wird in Leuchtstoffobjekten und Hologrammen das Phänomen Licht analysiert, sein Einfluss auf Objekte und Räume. In New York entdeckt der Künstler die Diffraktionsfolie, die Lichtwellen bricht und besondere Reflexions-Effekte erzeugt, und integriert sie ab den späten 1970ern in lichtkinetischen Collagen, Reliefs und Stelen. Die Stelen sind Interventionen, die Raum konstituieren, bestimmen und befragen, Strukturen sichtbar machen, Relationen schaffen und Verbindungen herstellen. Sie sind Kunstwerk, Gerät des Forschers, Vehikel der Wahrnehmung, Kommunikation und Ordnung. Die lichtkinetischen Collagen formulieren dieselbe Problematik in der zweidimensionalen Fläche, im imaginären Raum.

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© Christine Wetzlinger-Grundnig


(1) Alexander Rodtschenko hat sich selbst sehr bewusst als „Konstruktivist“ bezeichnet, als „Bauenden“, der aus eigener geistiger und technischer Leistung ein Werk (bzw. eine Wirklichkeit) konstruiert. Er bedient sich des damals neuesten technischen Wissensstandes und seine Arbeitsweise ist zeitgemäß modern, seine Mittel beschränken sich auf fundamentale bildnerische Gestaltungselemente und eine mathematisch-klare Formensprache.




Edgar Knoop, Rosebud, 2014, Diffraktinsfolie und Bleistift auf Papier, 50 x 50 cm und Edgar Knoop, Network, 2011, PVC-Folie und Bleistift auf Papier, 50 x 50 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Edgar Knoop, Ästhetisches Maß, 2014, Aluminium, Diffraktionsfolie, 100 x 3 x 3 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Edgar Knoop, Farbprofil, 1976, Acrylfarbe auf Acrylglas in Acrylglaskasten, 35 x 35 x 13,5 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller




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