fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept



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BHX Lohmer

(*1953, Hermagor, A)


Der Künstler BHX Lohmer arbeitet in seinen Plastiken und in seiner analytischen und konzeptuellen Malerei ausschließlich nach streng geometrischen Grundlagen. Dabei ist jede persönliche Handschrift ausgespart, alles „Künstlerische“ im Sinn einer spontanen Handlung wird vermieden. Die Kühle von mathematischen Kalkulationen und Problemstellungen, die mit viel theoretisch-geistiger Anstrengung in bedingungsloser Konsequenz von Lohmer ins Plastische gebracht werden, wird durch die industriell anmutende anonyme Verarbeitung noch verstärkt.
So zeigt etwa die Installation „Offener/geschlossener Würfel“ (1982) einen geöffneten und einen geschlossenen Raumkörper. Der offene Körper ermöglicht durch die in den Raum greifenden quadratischen Teile, die in einem streng mathematischen Verhältnis zu den länglichen Quadern im Inneren stehen, verschiedene perspektivische Ansichten. Je nach dem Blickwinkel des Betrachters entstehen neue komplexe geometrische Formen. Der zweite Teil der Installation wird von einem geschlossenen Würfel gebildet, der durch die Mitte zur Seite hin allerdings ein Loch aufweist. Die aufgebrachten Würfelzahlen ergeben kein schlüssiges Bild. Die Frage, wie nun der geschlossene Würfel mit dem offenen Würfel in Verbindung steht, stellt den Betrachter vor schwierige räumlich-analytische Fragen. Gerade diese Irritation, die vielleicht in eine nicht aufzulösende Problemstellung mündet, scheint vom Künstler gewollt.

In absoluter Schlichtheit präsentiert sich das konstruktivistische Objekt „Raummetergeschoß“ (1986), das im Prinzip genau das darstellt, was der Titel aussagt: Ein quaderartiges dreidimensionales Stück versilberten Holzes ist auf Rollen gesetzt und liegt auf einer Platte. Die asketische Ruhe ist trügerisch, denn die Bezeichnung „Geschoß“ deutet auf ein aggressives Bewegungspotenzial hin. Auch hier scheint es genaue mathematische Berechnungen zu geben, die sich damit befassen, in welchem Verhältnis die einzelnen Flächen zueinander und zur Platte stehen.

Die mit Acryl bemalte Sperrholzplatte „Fontana, Warhol, BHX Lohmer“ (Hochformat, 1988) zeigt unterschiedlich breite vertikale Streifen in den drei Farben Blau, Rot und Gelb. Die Arbeit steht, progressiv, für die Verbindung Lohmers zu den Künstlern Lucio Fontana und Andy Warhol, in deren Folge er sich an dritter Stelle sieht. Inwiefern sie auf Fontana oder Warhol verweist und welche Konsequenz sich aus der Abfolge der drei Künstler hier bildnerisch ergibt, bleibt ohne weitere Erklärung unklar; eine mögliche Assoziation sind die Farben der „Brillo-Box“ von Andy Warhol. Wieder scheint dem Werk eine mathematische Formel zugrunde zu liegen, bei der es um Verhältnisse der Farbteile zueinander geht, mit dem Ziel, deren optimale Verteilung zu finden (vergleiche Goldener Schnitt).

Die Kunstauffassung Lohmers fußt auf einem rein geistigen, theoretischen Ansatz, der seine Formbildung in Plastik und Malerei bestimmt. Die so entstandene Kunst kümmert sich weder um die Vorgaben des Kunstgeschmacks noch um Kunstströmungen und Moden, sie bedient nicht die Erwartung des Betrachters und stellt nicht mehr dar, als sie ist: das Produkt eines geistigen Prozesses.


© Sonja Traar






Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

BHX Lohmer, Offener Würfel/geschlossener Würfel, 1982, Acryl auf Holz, Acrylglas, 2-teilig, 46 x 44 x 44 cm, 13 x 13 x 13 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller




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