fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept





Armin Ebner

(*1966, Villach, A)


Armin Ebner lebt heute in Wien, wo er hauptsächlich als Architekt tätig ist. Sein künstlerisches Œuvre, das sich auf die 1990er-Jahre beschränkt, steht in unmittelbarer Beziehung zur Architektur. Inhaltlich beschäftigt sich der Künstler in seinem Werk mit rein Faktischem. Kategorien wie Mimesis, Illusion, Symbolik, Metaphorik, Emotion oder Assoziation sind ausgeschlossen; nichts Philosophisches, Spirituelles oder Transzendentales liegt dem Werk zugrunde; es gibt keine Referenz zu Außerbildlichem. Die Signifikanz der Form tritt an die Stelle von Thema und Motiv. Die künstlerische Arbeit gestaltet sich als Analyse von realen Vorgaben und der Suche nach Gesetzmäßigkeiten von Materialien und ihren Eigenschaften, von formalen und farbigen Phänomenen. Es geht um die Grundbedingungen von Gestaltung, um Material und Form, um Format und Oberfläche, um Komposition, Proportion und Balance, um räumliche Wirkung und um optische Effekte, die sich aus den Konstellationen am planen Terrain des Bildes ergeben.

Ebners Schritt zur reinen Geometrie vollzieht sich aus seiner Materialwahl. Die Verwendung der vorgefertigten Faserzementplatten ist aus der Beschäftigung mit der Architektur abzuleiten, die inhaltlichen Fragen, die systematisch innerhalb der Parameter der konstruktiven Gestaltung abgehandelt werden, ebenfalls – die Arbeiten sind empirische Reihenstudien im Kunst-Kontext.

Das Material bestimmt das Werk. Es bietet eine makellose, homogene Oberfläche als Voraussetzung einer stringenten geometrischen Konzeption – für eine exakte rektanguläre Gestaltung in der Fläche in zwei unbunten Tönen, in hellem und dunklem Grau, erzeugt nur durch eine Emulsion, die die Poren verschließt und die Farbe des Faserzementes tonal abändert. Farbe und Form sind deckungsgleich, die traditionelle Dualität von Figur und Grund ist aufgehoben. Die herkömmliche Malarbeit ist auf ein Minimum reduziert. Buntfarbigkeit, Substanz und Duktus, und jeder daran gebundene Bedeutungsinhalt, sind ausgeschlossen zugunsten einer perfekten, neutralen Gestaltung, die auf dem Rechteck als simpler variabler Formeinheit basiert.

Mit der Reduktion der medialen Eigenschaften konkretisiert sich der Inhalt. Titel, die den Untersuchungsgegenstand benennen und keinen Raum für Interpretationen offenlassen, beziehen sich darauf: „Komposition“ generell, und untergeordnet, je nach Fall, „Variation“, „Rotation“ und/oder „Inversion“. Es geht um innerbildliche Relationen, um Wirkweisen von Hell-Dunkel- und Formkonstellationen, die in marginalsten Abwandlungen systematisch vorgeführt werden; um Fakten und Täuschung in Farb- und Formwirkung, um ihre gegenseitige Beeinflussung, um Negativ-Positiv-Effekte und um das Verhalten von Teilen zueinander, zum Ganzen und in der Serie.


© Christine Wetzlinger-Grundnig




Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F .Neumüller

Armin Ebner, Komposition 1/3A, 1/3B, 2000, Faserzement und Wachs, 2-teilig, je 200 x 164 x 2 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Armin Ebner, Komposition 1/3A, 1/3B, 2000, Faserzement und Wachs, 2-teilig, je 200 x 164 x 2 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: C. Zimmermann




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