fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept


Obwohl das Museum im Moment aufgrund der COVID-19 Pandemie geschlossen ist, möchten wir unserem Publikum die Inhalte der laufenden Ausstellung zugänglich machen, indem wir die künstlerischen Positionen einzeln und in alphabetischer Reihenfolge digital vorstellen. Jeden Tag von Montag bis Freitag stellen wir den Beitrag einer Künstlerin oder eines Künstlers online, der aktuell auf dieser Seite erscheint. Die Beiträge der bereits vorgestellten Künstler*innen finden Sie am Ende der Seite.


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Hermann Josef PAINITZ

(1938-2018, Wien, A)


Hermann Josef Painitz nimmt mit seinen geometrischen Arbeiten, die einer wohldurchdachten Analyse und Logik folgen, eine Sonderposition in der österreichischen Kunstgeschichte ein. Grundlegend für das umfassende Werk des gelernten Goldschmiedes, das sich auf über fünf Jahrzehnte erstreckt, sind elementare Grundformen wie der Kreis, die Kugel, das Quadrat und der Würfel, die sich gegenseitig durchdringen, und Konstanten wie Zeit und Raum. In zeichnerischen und malerischen Reihen, Serien und Rhythmen hält der Künstler zeitliche Abläufe in einem bestimmten, unbeweglichen Moment fest. Jegliche Gestik wird vermieden. Er dokumentiert zum Beispiel individuelle Tagesabläufe von ihm selbst oder von Freunden, die in einer codierten Bildsprache in Form von Diagrammen oder Organigrammen wiedergegeben werden. Hermann J. Painitz bringt seine auf Logik basierenden Gedanken künstlerisch zum Ausdruck, dabei geht er von einfachen und abzählbaren Formen aus – wie aneinandergereihte Töne in der Musik –, die er visuell-geometrisch umsetzt. Markant sind seine sprachbezogenen Arbeiten, dazu gehören „Blau/Kaminrot Kaminrot/Blau“, „Lichtocker“, „Hellblau Hellblau“ und „Hellgrau Hellblau“. Kryptografisch dargestellte Worte können mit Hilfe einer Anleitung am Bild oder begleitend dazu entschlüsselt werden. Der Grad der Verschlüsselung variiert, eine einfache Form wäre ein verkehrt geschriebenes Wort, bei den oben genannten Arbeiten sind dem herkömmlichen Alphabet „religiöse Symbole (verschiedene Kreuze), Gestalttheoretisches (Schattenriß einer Katze), Schriftzeichen (nicht entzifferte Zeichen verschiedener Kulturen, Hieroglyphen), Richtungszeichen, Fragezeichen usw.“ zugeordnet, wie der Künstler es mit eigenen Worten beschreibt. Somit entsteht eine „farbige Komposition, die auf den ersten Blick einer inneren Ordnung zu entbehren scheint, aber in Wirklichkeit dennoch einer inneren Struktur folgt (1). Ergänzend dazu finden sich konzentrische Kreise in den Arbeiten – wiederkehrend im Gesamtwerk des Künstlers –, die mathematische Gesetzmäßigkeiten abbilden. Die semantischen und semiotischen Aspekte setzt der Künstler ausgehend von der zweidimensionalen Ebene in eine dreidimensionale fort. Für sein Brot- und Hammeralphabet ordnet er den 26 Buchstaben unterschiedliche Brotsorten beziehungsweise Hammertypen zu und bildet mit ihnen Wörter. So schreibt er etwa das Wort Brot mit vier Broten (2).



© Nora Leitgeb


(1) H. J. Painitz, „Beschreibung der Bildfolge MEHR ALS DIE SUMME DER TEILE“, in: H. J. Painitz, Mehr als die Summe der Teile. 55 Stufen und 378 Bilder, Neue Galerie Graz (Hg.), Styria Printshop Druck GmbH, Graz 1998, o. S.

Ebd.

(2) Vgl. Hermann Josef Painitz, „Ästhetik als Reflexion“, Ein Künstlerporträt von CastYourArt | castyourart.com produziert für die Zeit Kunst Niederösterreich Ausstellung Hermann J. Painitz. Selbstverständlich, 29. März bis 24. August 2014, https://vimeo.com/91624990 [Zugriff: 17.03.2018]






Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: G. Gobbatto

Hermann Josef Painitz, Hellblau Hellblau und Hellgrau Hellblau, 1998, Mischtechnik und Collage auf Transparentpapier in Acrylglaskasten, je 52 x 67 x 2,5 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Hermann Josef Painitz, Blau/Karminrot Karminrot/Blau, 1998, Mischtechnik und Collage auf Transparentpapier in Acrylglaskasten, 102 x 72 x 2,5 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller




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