fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept


 


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Viktor ROGY
(1924, Arnoldstein, A - 2004, Klagenfurt, A)



Viktor Rogy zählt zu den markanten Ausnahmeerscheinungen der österreichischen Nachkriegsavantgarde. Sein konzeptionelles Werk, untrennbar mit seinem Leben verbunden, steht dem Fluxus und Dadaismus nahe. Es zeichnet sich durch eine radikale Abkehr vom konventionellen Kunstbetrieb und eine strikte Ablehnung starrer Ideale und Normen in sämtlichen Lebensbereichen aus. Kunst und Leben fließen ineinander, alles Tun ist Kunst und jede künstlerische Äußerung ist Leben. Gefundene Alltagsobjekte, Fragmente, Zeitungsartikel und Fotos kommentiert und integriert Victor Rogy genauso in sein künstlerisches Schaffen wie Gesten, Handlungen, Töne und Tanz. Er bezeichnete sich selbst als „Würstelmaurer, Fassadist, Stukkateur, Steinmetz, Zwangssoldat, Jodler, Deserteur, Simulant, Arrestant, Giftmischer, Sprengmeister (gründete 1977 die Arschpartei, bei der jeder Nichtmitglied ist), Vogel, Sänger, Tänzer, Büro (ich bin ein Büro)“ (1) . Alle notwendigen Arbeitsmittel führt er ständig in der Tasche mit sich herum und benutzt seine Oberschenkel als Tisch. Denn nichts lässt er unkommentiert, äußert sich vehement vor allem auch in politischen Dingen. Sprache und Schrift sind essenziell in seiner Kunst, Aktivismus und Aktionismus zeichnen ihn aus. 1996 gründet er mit seiner Frau Bella Ban das legendäre Café OM – ein minimalistisches Gesamtkunstwerk – in der Klagenfurter Pernhartgasse, eine Hommage an Adolf Loos und Man Ray und Schauplatz des kulturpolitischen Engagements des Künstlerpaares und „Beispiel lokaler Widerständigkeit“(2) : Ein einziger zwei Meter langer, brusthoher Tisch stand in dem weißen Raum, um den sich die Gäste versammeln und ihr Bier direkt aus der Flasche trinken konnten. Formal bedient sich Viktor Rogy Grundformen wie Dreieck, Quadrat, Kreis oder Rechteck. Auch der Keil kommt wiederholt vor. Dieser kann als Holzkeil für sich stehen oder auf ein Rechteck reduziert sein. So legte der Künstler ein rechteckiges Papier in eine dafür eigens angefertigte Vitrine. Oder der Keil ist wie in der Arbeit „Reduzierter Keil/Grauguss“ auf seine Grundfläche reduziert. Abgeleitet wird das schwere Graugussobjekt mit einer Länge von 150 Zentimetern unter anderem von einem Reißnagelkeil. Es ist die „gedachte rechteckige Grundfläche des aufgebogenen Reißnagelkeils. Diese gedachte Grundfläche gehört ebenso zur vollendeten und friedlichen Bodenfläche wie zum aufgestellten aggressiven Keil, ist aber als Schwebe zwischen den beiden für beide eigenschaftslos gedacht. Dieser Ort der Schwebe zwischen Daseinsformen, Funktionen, Zwecken u. a. bildet, scheint mir, für Rogy die zentrale Denkform seiner Kunst, viel stärker als Anwendungen wie der Kitsch, die Aggression, die Aktion, die Serie, die Aufhebung des Originals und so weiter.“(3).



© Nora Leitgeb


(1) Viktor Rogy, „Autobiographische Notizen“, in: viktor rogy, im stadttheater klagenfurt, o. A.

(2) Nicola Hirner, „Heiße Kartoffeln schälen. Radikalisierungsformen alltäglicher (Ver-)störungen – Bemerkungen zu Viktor Rogy (1924–2004)“, springerin Band X Heft 3, 2004, in: viktor rogy, im stadttheater klagenfurt, o. A.

(3) Friedbert Aspetsberger, „Rogy, Viktor: aber witzig, aberwitzig“ Porträt eines Kärntner Vielseitigen, der standard album, 25. 02. 2001, in: viktor rogy, im stadttheater klagenfurt, o. A.







Viktor Rogy, Reduzierter Keil, 1969/70, Grauguss, 2-teilig, 151 x 10 x 5 cm, 64 x 42 x 20 cm, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020, Foto: F. Neumüller




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