fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept


Hier stellen wir die künstlerischen Positionen einzeln und in alphabetischer Reihenfolge digital vor.

Die Beiträge der bereits vorgestellten Künstler*innen finden Sie am Ende der Seite.


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Heimo Zobernig
(*1958, Mauthen, A)


Heimo Zobernig ist ein Protagonist des sogenannten Neo-Geo. Wenn er sich des konstruktiven Vokabulars bedient, geht es um eine systematische, kritisch-ironische Untersuchung der bildnerischen Sprache, ihrer Methoden und Mittel, insbesondere in Hinblick auf die Postulate der stilistischen Vorläufer, und um die Suche nach neuen zeitgenössischen Möglichkeiten. Dabei folgt der Künstler einem klaren Konzept, indem er mit den Mitteln der Kunst die historischen Positionen aufrollt, pseudowissenschaftliche Ordnungssysteme einführt, die als subjektive Kommentare die etablierten Thesen torpedieren. Heimo Zobernig interessiert, was ein Werk zum Kunstwerk macht, der Kontext, in welchem Kunst vermittelt und rezipiert wird. Er zeigt auf, wie das System Kunst funktioniert. Er versucht modellhaft Ordnungen aufzubrechen, Mittel und Strategien vorzuführen, indem er sich ihrer bedient, aber sie zugleich konterkariert.

Seit etwa 1988 entwickelt der Künstler skulpturale Objekte und Installationen, die die Vorgaben der Minimal Art adaptieren, reflektieren und – in banaler Materialität, lapidarer Handwerklichkeit und Funktionalität – subtil untergraben. Ihre simple, provisorische Form weist unverbrämt auf ihre Funktion (als Demonstrationsobjekt der Absichten). Die Interventionen zielen auf sichtbare und unsichtbare Strukturen – über die Form auf den Inhalt. Die Arbeit vexiert zwischen gestalterisch-architektonischer Lösung, Gebrauchsobjekt und Kunstwerk. Die Definition ist eine Frage des Blickwinkels und des Kontextes. Das Werk ist ein Mittel der Kritik und der Erkenntnisgewinnung. In der Malerei von Heimo Zobernig werden ab den 1980er-Jahren die Anordnungen der konstruktiven, konkreten Kunst überprüft. „Die Postulate von Positionen, die beanspruchen, mit ‚reinen‘ geometrischen Formen operieren zu können, werden durch den Verweis auf deren vielfältige inhaltliche Befrachtbarkeit kritisch in Zweifel gezogen.“ (1) Seit 1985 entstehen Arbeiten, die systematisch nach persönlichen Gesichtspunkten das Vokabular der geometrischen Abstraktion befragen – im Mittelpunkt die Farbe; seit 1987 Streifenbilder, die eine unmittelbare Konfrontation mit Farbe und Form erzeugen. In den frühen Neunzigern beschäftigt sich der Künstler mit der individuellen Wahrnehmung von Farbe. Es folgen Schriftbilder und seit 1999 monochrome Werke sowie Rasterbilder aus Nesselgewebe – die in der Video-Technik im Keying-Verfahren Anwendung finden –, anhand derer klassische Schemata der Malerei, wie etwa jenes von Figur und Grund oder die Bild-Objekt-Frage, thematisiert werden. Darüber hinaus untersucht Zobernig die Rolle der Farbe als Informationsträger und setzt sich mit den verschiedenen Farbsystematiken unterschiedlicher Kommunikationsmedien auseinander: mit klassischen und digitalen Printverfahren, modernen Bild- und Projektionsmedien und elektronisch erzeugter Farbe, künstlichem Licht.



© Christine Wetzlinger-Grundnig



(1) Eva Badura-Triska, „Heimo Zobernig – Künstlerische Biografie und Werkübersicht“, in: Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig (Hg.), Heimo Zobernig, Wien 2003, S. 46.




Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020/2021, Foto: F. Neumüller

Ausstellungsansicht "fokus sammlung 06. ABSTRAKT. geometrie + konzept", MMKK 2020/2021, Foto: F. Neumüller

Heimo Zobernig, o. T., 1995, Farbholzschnitt auf Papier, 7-teilig, je 66 x 50 cm, Foto: F. Neumüller

Heimo Zobernig, Shade, 2015, Acryl auf Leinwand, 70 x 70 x 4 cm, Foto: F. Neumüller




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